Wochenendwissen: 

netzeitung.deWas zum Higgs ist in Genf los?

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Modell des Large Hadron Collider (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Modell des Large Hadron Collider
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Warum Genf der kälteste Ort der Erde wird, was die Wikipedia groß macht und was Einstein mit Homöopathie zu tun hat, verlinkt das Wochenendwissen .

Nur noch wenige Tage sind es, dann beginnt ungefähr 100 Meter unter den Wiesen in der Nähe des schweizerischen Örtchens Genf ein über drei Milliarden Euro teures Experiment, das von vielen Physikern mit Begeisterung erwartet wird, bei Nichtphysikern aber wahrscheinlich für nicht mehr als ein Achselzucken sorgt. Im Large Hardon Collider (LHC) des Kernforschungszentrums Cern werden Teilchen in einem 27 Kilometer langen Tunnelring in kosmischer Kälte auf nahezu Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und zur Kollision gebracht. An verschiedenen Stellen des Tunnels sind Messkammern installiert, in denen die entgegengesetzt rasendenden Protonen kollidieren. Die Sensoren in den Kammern zeichnen auf, was passiert.

Warum das Ganze? Grundlagenforschung im Sinne der Frage, wie alles begonnen hat. In diesen Kollisionen soll ein kleiner Ausschnitt des Urknalls nachgebildet werden. Es geht um nichts weniger als ein tieferes Verständnis des Universums. So soll dem Ursprung der hypothetischen dunklen Materie, die Galaxien zusammenhält, nachgegangen werden. Man hofft auch, auf das so genannte Higgs-Bosom zu treffen, dem einzigen Elementarteilchen, dessen Existenz bisher nur angenommen werden konnte.

Bevor jetzt Dinge geschreiben werden, die nicht verstanden wurden, wird nun zu den Experten verlinkt. Dafür sind das Netz und nicht zuletzt die wissenschaftliche Blogosphäre ja da. Als Einführung sei dieses Video des Bayrischen Rundfunks empfohlen, in dem Harald Lesch das Higgs-Teilchen erklärt. Wer schon immer wissen wollte, wie Elementarteilchen (in etwa) aussehen, sollte, hier nachschauen.

Bereits im März hat sich Ludmila Carone in Hinterm Mond gleich links mit der Weltuntergangspanik durch Schwarze Löcher im Teilchenbeschleuniger beschäftigt. Zusammengefasst: «Sehr, sehr, sehr unwahrscheinlich.» Und hier noch einmal vertieft.

Eine Diskussion zur Sinnhaftigkeit dieser «beschleunigten Geldvernichtung» steuert die Kritische Masse bei. Und noch einmal Ludmila: Diesmal mit dem Versuch, die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest zu beantworten.

Abschließend sei noch auf Kamenins Begrenzte Wissenschaft verwiesen, in der sich augenzwinkernd für das Experiment ALICE am LHC ins Zeug geworfen wird. Denn wie man schon am «Nerdfaktor des Projektnamens» erkennen könne, sei ALICE vor ATLAS und CMS das interessanteste Experiment oder: «ATLAS ist Gitarrengebrösel, ALICE ist Je t’aime!»

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Vor einigen Wochen hatte die Netzeitung anlässlich der Einrichtung einer Stiftungsprofessur für Komplementärmedizin an der Berliner Charité über das kulturelle Phänomen Homöopathie berichtet. Die Professorin selbst kam hier zu Wort. Einer ihrer größten Kritiker hier.

Auch in den Wissenschaftsblogs ist die Ideologie um die Hochpotenzen ein heißes Thema. Florian Freistetter machte sich jüngst über Medikamente aus Hundekot und Mondstrahlen die für ihn typischen skeptischen Gedanken. Christian Reinboth wundert sich in Frischer Wind über die Beweggründe der Charité eine solche Professur einzurichten. Aus Christians Frage, was «alternative Heilmethoden» an der Uni zu suchen haben, entspann sich in den Kommentaren eine trotz des lärmenden Tons lesenswerte Diskussion über das Verständnis von Medizin, Lehre und Forschung. Nur Monika fragte sich etwas resigniert zum Schluss: «Ging es denn nun um Einstein oder ging es nicht viel mehr um Homöopathie?»

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Und sonst: Ein kleiner Nachtrag zur seriösen Wikipedia. Michael Groß berichtet in GROSS & KLEIN quasi von der anderen Seite. Er war früher Redaktuer bei einer «traditionellen Enzyklopädie» und musste feststellen, dass Wikipedia-Einträge meist besser waren. Maik Söhler hat sich zudem in der Netzeitung Googles lange angekündigtes und kostenloses Wissensportal Knol angeschaut. Der Vorteil gegenüber Wikipedia auf den ersten Blick: Autoren der Artikel werden namentlich genannt. Da die Einträge damit zitierfähig werden, könnten sie so Eingang in den Wissenschaftsalltag finden. Dazu aber wohl demnächst mehr.


Für das Web ediert von Daniel Kählert