26.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Modell des Large Hadron Collider
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Warum Genf der kälteste Ort der Erde wird, was die Wikipedia groß macht und was Einstein mit Homöopathie zu tun hat, verlinkt das Wochenendwissen .
Nur noch
wenige Tage sind es, dann beginnt ungefähr 100 Meter unter den Wiesen in der Nähe des schweizerischen Örtchens Genf ein über drei Milliarden Euro teures Experiment, das von vielen Physikern mit
Begeisterung erwartet wird, bei Nichtphysikern aber wahrscheinlich für nicht mehr als ein
Achselzucken sorgt. Im Large Hardon Collider (LHC) des Kernforschungszentrums Cern werden Teilchen in einem 27 Kilometer langen Tunnelring in
kosmischer Kälte auf nahezu
Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und zur Kollision gebracht. An verschiedenen Stellen des Tunnels sind Messkammern installiert, in denen die entgegengesetzt
rasendenden Protonen kollidieren. Die Sensoren in den Kammern zeichnen auf, was passiert.
Warum das Ganze? Grundlagenforschung im Sinne der Frage, wie alles begonnen hat. In diesen Kollisionen soll ein kleiner Ausschnitt des
Urknalls nachgebildet werden. Es geht um nichts weniger als ein
tieferes Verständnis des Universums. So soll dem Ursprung der hypothetischen
dunklen Materie, die Galaxien zusammenhält, nachgegangen werden. Man hofft auch, auf das so genannte Higgs-Bosom zu treffen, dem einzigen
Elementarteilchen, dessen Existenz bisher nur angenommen werden konnte.
Bevor jetzt Dinge geschreiben werden, die nicht verstanden wurden, wird nun zu den
Experten verlinkt. Dafür sind das Netz und nicht zuletzt die wissenschaftliche
Blogosphäre ja da. Als Einführung sei dieses
Video des Bayrischen Rundfunks empfohlen, in dem Harald Lesch das
Higgs-Teilchen erklärt. Wer schon immer wissen wollte, wie Elementarteilchen (in etwa) aussehen, sollte,
hier nachschauen.
Bereits im März hat sich Ludmila Carone in
Hinterm Mond gleich links mit der
Weltuntergangspanik durch
Schwarze Löcher im Teilchenbeschleuniger beschäftigt. Zusammengefasst:
«Sehr, sehr, sehr unwahrscheinlich.» Und
hier noch einmal vertieft.
Abschließend sei noch auf Kamenins
Begrenzte Wissenschaft verwiesen, in der sich augenzwinkernd für das Experiment
ALICE am LHC ins Zeug geworfen wird. Denn wie man schon am
«Nerdfaktor des Projektnamens» erkennen könne, sei ALICE vor ATLAS und CMS das interessanteste Experiment oder: «ATLAS ist Gitarrengebrösel, ALICE ist Je taime!»
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Vor einigen Wochen hatte die
Netzeitung anlässlich der Einrichtung einer Stiftungsprofessur für
Komplementärmedizin an der Berliner Charité über das
kulturelle Phänomen Homöopathie berichtet. Die Professorin selbst kam
hier zu Wort. Einer ihrer größten
Kritiker hier.
Auch in den Wissenschaftsblogs ist die
Ideologie um die Hochpotenzen ein heißes Thema. Florian Freistetter machte sich jüngst über
Medikamente aus Hundekot und Mondstrahlen die für ihn typischen skeptischen Gedanken. Christian Reinboth wundert sich in
Frischer Wind über die
Beweggründe der Charité eine solche Professur einzurichten. Aus Christians
Frage, was «alternative Heilmethoden» an der Uni zu suchen haben, entspann sich in den Kommentaren eine trotz des
lärmenden Tons lesenswerte Diskussion über das Verständnis von
Medizin, Lehre und Forschung. Nur Monika fragte sich etwas resigniert zum Schluss: «Ging es denn nun um Einstein oder ging es nicht viel mehr um Homöopathie?»
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Und sonst: Ein kleiner Nachtrag zur
seriösen Wikipedia. Michael Groß berichtet in
GROSS & KLEIN quasi
von der anderen Seite. Er war früher Redaktuer bei einer «traditionellen Enzyklopädie» und musste feststellen, dass Wikipedia-Einträge meist besser waren. Maik Söhler hat sich zudem in der
Netzeitung Googles lange angekündigtes und kostenloses
Wissensportal Knol angeschaut. Der
Vorteil gegenüber Wikipedia auf den ersten Blick: Autoren der Artikel werden namentlich genannt. Da die Einträge damit
zitierfähig werden, könnten sie so Eingang in den
Wissenschaftsalltag finden. Dazu aber wohl demnächst mehr.
Für das Web ediert von Daniel Kählert