12.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Foto: screenshot netzeitung
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Was an der Wikipedia problematisch ist, wie Turnschuhe den Ozean überqueren und wie sich Lichtverschmutzung eindämmen lässt, verlinkt das Wochenendwissen .
Die Wikipedia ist wohl das erfolgreichste Social-Media-Projekt und ein Quell an freier Information. Auch im
Wochenendwissen wird gerne auf den einen oder anderen Fachbegriff verlinkt, da die Enzyklopädie, von vielen Schreibern verfasst und kontrolliert, mitunter griffigere Definitionen liefert und ein breiteres Spektrum abdeckt als so manch kommerzieller Konkurrent. Das
Wiki und die Wikipedia sind zum zentralen Bestandteil des online agierenden Menschen geworden. Im Wissenschaftsbetrieb ist es allerdings sehr umstritten, aus der Mitmachenzyklopädie zu zitieren beziehungsweise auf einzelne Artikel zu verweisen, da die Zuverlässigkeit der Information nicht eindeutig sichergestellt werden kann. Doch die
Berührungsangst zur freien Enzyklopädie weicht auf, wie Alfred Tantner in seinem Blog
Adresscomtoir feststellt. Darüberhinaus macht sich Florian Freistetter in
Astrodictum Simplex Gedanken, wie die Zuverlässigkeit der Artikel erhöht werden kann und berichtet von seiner Zeit als Wikipedia-Autor, und warum er dort aufgehört hat.
Interessanterweise ist es nach Florians Meinung nicht etwa der
Vandalismus, der die Verlässlichkeit der Artikel untergräbt, sondern die Struktur des Mediums selbst: «Wenn jeder alles editieren kann, dann heißt das eben auch, dass ein Chemiker über französische Literatur schreiben kann; eine Biologin über Ägyptologie und ein Schüler über Teilchenphysik.» Klar, dass es da zu
Konflikten komme, resümiert er.
Kommentator Christian sieht dies ähnlich: «Die Tatsache, dass Admins oder langjährige Nutzer mit 'RTL2-Wissen' locker eine ganze Reihe von Fachleuten zu einem bestimmten Thema überstimmen können, hat mich an Wikipedia schon immer gestört.» In zahlreichen weiteren Kommentaren ist man sich einig, dass es kaum möglich sein wird, dieses strukturelle Problem zu lösen. Die Essenz ist so simpel wie leider auch oft missachtet: Wikipedia kann in seiner Funktion als Wissenssammlung eben nur Ausgangspunkt einer Recherche sein, und Letzteres sei nun mal mehr, als nur das Nachschlagen in einem Lexikon.
Nicht ganz ins Ressot passend aber in den Zusammenhang: Über Manipulation und Unterwanderungsvorwürfe bei Wikipedia hat jüngst auch die grüne Politkerin Julia Seeliger auf ihren Blogseiten
nachgedacht, und in den
Viralmythen fragt sich Benedikt Köhler, warum ein Eintrag zu Apples iPhone zum lesenswerten Artikel des Tages gewählt wird, obwohl die Autoren
Werbejargon wie Funktionalität, ermöglicht, darüber hinaus, vereint, angeboten benutzen.
Doch zurück zum Wissen und noch ein paar Worte zum Wiki: Außer als Grundlage für die bekannte Enzyklopädie ist die Software ein wunderbares Werkzeug zur Wissensproduktion: Das gemeinschaftliche Verfassen und Strukturieren von Hypertexten wird inzwischen in vielen Universitäten im Lehrbetrieb benutzt, und nicht selten steht am Ende eines Seminars eine Wissenssammlung über den in der Lehrveranstaltung behandelten Themenbereich anstelle der üblichen zehn bis 30 (oder mehr) autarken Hausarbeiten, in die nach der Benotung nie wieder ein Blick geworfen wird. Mehr Informationen und Links zur Wissensproduktion mit Wikis unter anderem
hier und
hier.
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Wie eine
Sommerlochmeldung wissenschaftlich betrachtet wird, zeigt in wie üblich köstlicher Ausführlichkeit Lars Fischer in dieser Woche im
Fischblog: Er
spekuliert über die Ursachen der
mysteriösen Fuß-Funde im kanadischen Vancouver und an anderen Küsten. Der Grund, weshalb immer ein paar Füße in den Weltmeeren rumschwimmen, so schreibt Lars, sei ein ganz einfacher: Im Zeitalter von Gummi und Schaumstoff trage eigentlich jeder Mensch zwei
Mini-Schwimmwesten an den Füßen, die über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte schwimmfähig bleiben. Die Wasserleiche gammelt bis auf den vom Turnschuh umschlossenen Fuß weg und dieser kommt mit den großen Meeresströmungen irgendwann an die Küste. Lars hält es nach Betrachten einiger Triftrouten von Treibgut für möglich, dass die angeschwemmten
Gruselfüße durchaus von Opfern des Tsunamis in Südostasien aus dem Jahre 2004 stammen könnten. In den Kommentaren wird fleißig und amüsiert mitspekukliert.
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Für das Web ediert von Daniel Kählert