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Wochenendwissen: 

Klimazocken - wie eine Wette wissenschaftlich wird

17. Mai 2008 09:36
Pause in der Erderwärmung?
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Die Frage, ob die Erderwärmung eine Pause macht und warum Klimamodelle nicht als Tatsache genommen werden sollten, verlinkt das Wochenendwissen.

Nachdem spätestens seit Al Gores Friedensnobelpreis der vom Menschen gemachte Klimawandel bis auf die Gegenreden von ein paar hartnäckigen Klimaskeptikern zumindest hierzulande so etwas wie ein gesellschaftlicher Konsens geworden ist, hat sich die Klimadebatte in den Medien gefühlt etwas abgekühlt - wäre da nicht der Potsdamer Klimaforscher Stefan Ramstorf. Dem streitbaren Wissenschaftler ist in seinem Blog Klimalounge ein Mediencoup gelungen, dessen Wirkung auch in anderen Wissenschaftsblogs diskutiert wird.

Worum es geht: Am ersten Mai veröffentlichte das Fachmagazin Nature ein Klimamodell des Kieler Leibnitz-Institutes für Meereswissenschaften und des Hamburger Max-Planck-Institutes für Meteorologie, wonach die Erderwärmung in den nächsten zehn Jahren eine kurze Pause macht. Das widerspricht den Berechnungen des Weltklimarates IPCC, der von einer mehr oder weniger stetigen Erwärmung ausgeht. Das Kieler Team hat in sein Modell Beobachtungsdaten wie aktuelle Meerestemperaturen eingepflegt, was seiner Meinung nach eine realistischere Simulation zulässt. Rahmstorf, einer der Hauptautoren des Weltklimaberichtes des IPCC, und mehrere Kollegen bezweifeln das, und so schlug der Potsdamer Klimaforscher eine Woche später in seinem Blog und dem englischsprachigen realclimate den Studienautoren folgende Wette vor:

«Sollte die Durchschnittstemperatur in den Jahren 2000 bis 2010 […] tatsächlich niedriger oder gleich der Durchschnittstemperatur in den Jahren von 1994 bis 2004 sein, zahlen wir ihnen 2500 Euro. Ist sie höher, zahlen sie uns 2500 Euro. Wer diesen Teil der Wette gewinnt, wird sich Ende 2010 erweisen.» Das gleiche solle auch für die zweite Voraussage für den Zeitraum zwischen 2005 und 2015 gelten.

Die Medienmaschine ist darauf aber nicht gleich angesprungen. Rahnstorf legte eine weitere Woche später, diesmal mit Unterstützung der Frankfurter Rundschau, nach - und seine weiteren Motive für die Wette offen: « […] weil wir über die weltweite Berichterstattung in den Medien besorgt sind. Die Medienberichte ließen die kommende Pause bei der globalen Erwärmung praktisch als Tatsache erscheinen, nicht als eine experimentelle Vorhersage. Sollten sich Keenlysides Prognosen als falsch erweisen, könnte dies zum Bumerang für die ganze Gemeinde der Klimaforscher werden.»

Nun stellt sich die Frage, wie es um den Ruf der Gemeinde der Klimaforscher steht, sollte der Wett-Herausforderer Rahmstorf Unrecht haben, und darum dreht sich auch die Diskussion in der wissenschaftlichen Blogosphäre. Marc aus der Wissenswerkstatt findet , die Wette sei ein wirklicher Knaller. «Natürlich ist das vielleicht typisch Rahmstorf, aber wieso hier nicht in den sportlich-wissenschaftlichen Wettstreit eintreten? […] Diese Wette sollte, auch wenn sie spielerisch daherkommt, keineswegs als bloße Spielerei verstanden werden. Denn im Kern steckt ja eine handfeste wissenschaftliche Meinungsverschiedenheit dahinter.»

Tobias kommentiert dagegen bei WeiterGen: «[…] allen akademischen Erklärungen zum Trotz, leidet durch solche medienwirksamen Aktionen meiner Meinung nach die Glaubwürdigkeit der Forschergemeinde, die sich mit Klimamodellen beschäftigen, und die selbstredend auch immer falsch liegen können. Es sind ja immer noch nur Vorhersagen.» Aus spieltheoretischer Sicht fragt Christian an gleicher Stelle: «Welche Summe wettet man eigentlich, wenn man sich wirklich sicher ist...?»

Stefans Rahmstorfs Klimalounge ist dagegen der Ort um über Inhalte zu diskutieren. Lars Fischer fragt : «Wie lange müssen wir eigentlich Modelle mit der Wirklichkeit abgleichen […] dass wir sicher in der Lage sind, das Modell mit der höchsten Vorhersagegüte herauszupicken?» Ramstorf antwortet: « [...] es gibt wesentlich bessere Methoden, die Qualität der Modelle zu testen, als einfach abzuwarten, ob Projektionen zur globalen Erwärmung eintreffen. Wir simulieren z.B. mit unserem Modell vergangene Klimaveränderungen der Erdgeschichte, etwa die vergangenen Eiszeiten. Andere Gruppen simulieren die Reaktion ihrer Modelle auf Vulkanausbrüche wie Pinatubo. Und man schaut sich physikalisch wichtige Größen wie die Strahlungsbilanzen an, nicht die globale Durchschnittstemperatur.»

Im Vergleich zur Klimalounge mit summiert knapp über 50 Kommentaren wurde auf die englischsprachige Version der Wette über 260 mal reagiert. Neben hauptsächlich inhaltlichen Äußerungen hält ein Kommentator die Wette für kindisch und fragt : »What kind of scientists would bet on their findings to add strength to their accuracy? […]Are you trying to bring the level of discussion down to that of Fox News? Do you justify your actions by playground slogans like 'he started it'?« Die Antwort Stefan Rahmstorfs darauf: «We think framing this as a bet with specified conditions will help to clarify what exactly it is that the authors are predicting - after reading the paper at first this was not entirely clear to us, and it clearly is not entirely clear to many of the journalists reporting on it either.» Die Herausgeforderderten selbst wollen sich im Übrigen zumindest öffentlich nicht auf die Wette einlassen, wie Spiegel online berichtete.

Über die Wette als Stilmittel der öffentlichen Kommunikation lässt sich streiten, kommt sie doch auf den ersten Blick etwas polterig aggressiv daher. Rahmstorfs Weg der inhaltlichen Auseinandersetzung via Blog mildert allerdings dieses Bild. So werden Forschungsdiskurse offen und nachvollziehbar.

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In der kommenden Woche gibt es dann wieder ein breiteres Wochenendwissen.

 
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