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Doppelbrave Kinder und Wunderschwimmer

23. Aug 2008 08:59
Ein Baby
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Wie man ein Kind nicht erzieht, warum Michael Phelps' Leistung nicht unbedingt etwas mit Doping zu tun haben muss, und was ein Mandala mit einem Palindrom gemeinsam hat, verlinkt das Wochenendwissen.

Nach wie vor ist Sommer, doch das Wochenendwissen hat seine kleine Pause beendet, um wieder spannende Einblicke in die Wissen durch Schreiben produzierende Blogosphäre zu geben. Da sich in meinem Bekanntenkreis in letzter Zeit Nachrichten über Schwangerschaften und Niederkünfte häufen, komme auch ich nicht daran vorbei, mich zumindest theoretisch mit dem Nachwuchsgedanken und Erziehungskonzepten zu beschäftigen.

Passend dazu hat der Wild Dueck Blog eine steile These ins Netz gestellt: «Eine zu frühe Erziehung zur Pflicht zerreißt den Menschen später» , schreibt der Autor und findet klassische Erziehungsmethoden grausam, weil sie nicht auf die kindliche Hirnentwicklung angepasst seien. Denn: Die Hirnströme von Säuglinge und Kleinkindern sind komplett anders als die von Erwachsenen. Die elektrische Aktivität des Hirns von Säuglingen erreichen Erwachsene zum Beispiel nur noch in einer traumlosen Tiefschlafphase oder bei Nahtoderlebnissen. Die Hirnströme haben da einen Frequenzbereich von so genannten Delta-Wellen. Kleinkinder bis zum fünften Lebensjahr «denken» und «fühlen» dagegen in der Frequenz von Theta-Wellen. Ein Zustand, den Erwachsene meist nur in einer Meditation erreichen.

Wenn nun ein kleines, sagen wir mal, entspannt «denkendes» Menschenkind mit den Erziehungsanforderung eines unentspannten Erwachsenen konfrontiert wird, versteht es nur blabla und passt sich unreflektiert an. Das Kind wird nicht erzogen, sondern geprägt, wie der Autor unterscheidet. Zu allem Übel wird das brave, geprägte Kind im Kindergarten dann noch einmal – diesmal über den Verstand - mit denselben Verhaltensregeln indoktriniert, so dass es nun doppelt brav ist und sich überhaupt nichts mehr traut. Keine schöne Vision.

Im Schluss geht es dem Autor darum, mit der Erziehung erst zu beginnen, wenn das Kind diese auch versteht. Wenn sozusagen die Einsicht in eine Regel des Zusammenlebens möglich ist. In einem Kommentar konstatiert Monika etwas resigniert : «Eigentlich hätten wir ausreichend Wissen aus der Psychologie und Neurobiologie um daraus eine 'entwicklungsangemessene' Pädagogik abzuleiten....nur tut es keiner..oder, wenn es einer tut, dann interessiert das Entscheidungsträger herzlich wenig.....leider.....». Die Userin 1antonia23 ergänzt lakonisch : «Was immer Eltern machen, ist falsch, und immer ist da jemand, der alles viel besser weiß.» In diesem Sinne: Bei Amazon gibt es unter dem Stichwort «frühkindliche Erziehung» allein 22 Treffer.

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Mit «Hirnforschung» lassen sich Sachen gut verkaufen, weil die meisten Menschen davon nicht viel verstehen. Viele mit dem Argument «Hirnforschung» untermauerte Methoden haben mit Lernoptimierung oder versprochener Leistungssteigerung des Gehirns zu tun. Ein Markt, bei dem bekanntlich so einiges an Geld im Spiel ist.

Eine ganze Reihe dieser Geschichten basiert auf der Annahme, dass unsere Hirnhälften unterschiedlich funktionieren und in Einklang gebracht werden sollten. Der AHMAZ-Blog nimmt ein solches Angebot (Mandalamalen schult das Gehirn) zum Anlass, um den Neuromythos von den verschiedenen Gehirnhälften mal auseinander zu nehmen , denn unsere beiden Hirnhälften funktionieren mitnichten unterschiedlich. Die beiden Hemisphären des menschlichen Gehirns verbindet tatsächlich vielmehr, als sie unterscheidet, zitiert die Blog-Autorin. Ein Mandala zu malen schult das Gehirn dennoch, wenn auch auf andere Art und Weise, und Geld ausgeben muss man dafür auch nicht.

Kommentator Stefan Rehm empfiehlt zur «Harmonisierung der Hirnhälften» eher eine Wanderung am Meer oder im Wald, und Helmut Wicht fürchtet gar eine Mandalamaladie . Er empfiehlt das Basteln von Palindromen . Diese seien «auch hübsch symmetrisch» und ihre Konstruktion zermartere erst recht das Gehirn. Heraus kommen lesenswerte Gedanken über Symmetrie und Asymmetrie, denn: «Mit der Asymmetrie ist es dabei wie mit dem Salz in der Suppe: Eine Prise tut gut, zu viel davon schadet.» Außerdem gibt es noch einen aus der Diskussion resultierenden Tipp für werdende Eltern, die vielleicht durch oben stehenden Beitrag verunsichert wurden: Eine frühe musikalische Ausbildung erspart den Kindern später unter Umständen das Besuchen eines Mandalamalkurses.

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Drei fernöstliche Olympiawochen gehen zu Ende und schon vor der Abschlussfeier kann gesagt werden, diese waren die Spiele des Zweifels. Noch nie sind hierzulande so offen die Rekorde und Leistungen der Athleten in Frage gestellt worden. Das mag wohl auch an der in der jüngeren Vergangenheit zugenommenen Dopingberichterstattung zu tun haben, außerdem schwingt wahrscheinlich auch das eine oder andere Ressentiment über die Sportpolitik des Gastgeberlandes und Vergleiche mit dem Sportsystem der DDR mit.

Es sind aber auch die Häufigkeit und die Deutlichkeit, mit der während der Olympischen Spiele Rekorde gebrochen wurden. Wie konnte zum Beispiel die Schwimmergeneration 2008 so gut werden, dass die Rekorde bei den Spielen nur so pulverisiert wurden? Im Fischblog wird sich als Antwortversuch die statistische Verteilung von Rekorden angeschaut. Bei einigen Sportarten sei ein Rekord schlicht Zufall, schreibt Lars Fischer unter Bezug auf einen aktuellen Artikel des Physikers Daniel Gembris, denn die Weltspitze einer Disziplin ist so dicht beieinander, dass die Resultate um das gemeinsame Niveau der Elite normalverteilt sind. Die Rekorde lassen sich in einer typischen, sich abflachenden Kurve darstellen.

Nun waren aber einige Rekorde bei Olympia so deutlich, dass sie aus dieser statistische Funktion ausbrechen. Zum Beispiel zeigt die Entwicklung des Weltrekords über 400 Meter Lagen der Herren bis zum Jahr 2002 einen Verlauf, wie er im vorherigen Abschnitt angedeutet wurde – also Sättigung des Leistungsniveaus und zufällig verteilte Rekorde. Dann betrat der US-Schwimmer Michael Phelps die Bühne, und die Kurve nahm einen deutlich anderen Verlauf…

Im Blog Neurons beschäftigt sich Marc Scheloske mit den (legalen) Stellschrauben , die eine Leistungsverbesserung ermöglichen und bleibt auf «offenen Fragen» sitzen. Eine dieser Fragen versucht Ludmila Carone in ihrem Blog Hinterm Mond gleich links zu beantworten . Denn, so schreibt sie, gerade im Schwimmsport hätten sich in den letzten Jahren die Bewegungsmuster und auch die Regeln so drastisch verändert, dass man die Leistungen eines Weltrekordlers Michael Groß oder Mark Spitz nicht mit denen eines Michael Phelps vergleichen könne. Sämtliche Schwimmer des aktuellen olympischen Wettbewerbes wären nach den Regeln von 1980 schlicht disqualifiziert worden, schreibt Ludmila und zeigt sehr lesenswert die Entwicklung der Bewegungsabläufe im Schwimmen auf, die die aktuellen Rekorde nicht mehr ganz so aberwitzig erscheinen lassen.

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass wir derzeit einen Innovationsschub im Schwimmen sehen, der erst durch Regeländerungen im Jahr 2006 möglich wurde. Leider sei vom deutschen Schwimmverband die Sichtung entsprechender Talente, die die optimierte Schwimmtechnik auch ausreizen können, verschlafen worden.


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Und sonst: Johannes Moskaliuk hat in seinem Blog eine Serie über den effektiven Einsatz von Wikis bei der Wissenskonstruktion begonnen. Katja Schwab ärgert sich im Blog Psychologie des Alltags über die unkritische Haltung gegenüber Inhalten aus dem Internet. Kritische Betrachtungen sind Blogleser dagegen von der Begrenzten Wissenschaft gewohnt. Warum Kamenin diesen Blog mit Inhalt füllt, erklärt er hier .

 
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