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Biologisches Wettrüsten im Kampf der Geschlechter
14. Feb 2002 07:02, ergänzt 09:14

Sieht harmonisch aus - ist es aber nicht.
Foto: Jens Rydell & Ingela Danielsson
Wasserläufer-Männchen sind Brutalos. Ihre Weibchen wissen sich allerdings zu wehren. Ein Musterbeispiel für den Kampf der Geschlechter beschreiben jetzt kanadische Wissenschaftler.
 
Aufdringliche Männer, zurückhaltende Damen. Im Tierreich ist die Bereitschaft zum Geschlechtsverkehr in etwa so verteilt wie in diesem althergebrachten menschlichen Klischee. Um den unterschiedlichen Interessen Nachdruck zu verleihen, entwickeln sich in der Evolution auch bestimmte Eigenschaften und Merkmale.

Mein Vorteil, dein Nachteil

Mehr in der Netzeitung:
  • Viel Sex hilft viel 08. Feb 2002 06:49
  • Laubenvögel – Einfühlsamkeit
    wird mit Sex belohnt
    17. Jan 2002 10:11, ergänzt 10:42
  • Betrug durch «weibliche» Schlangenmännchen 15. Nov 2001 12:22
  • Das Gute am Sex 19. Okt 2001 06:13
  • Aus einem Kampf der Geschlechter kann so ein biologischer Rüstungswettlauf werden, der körperliche Merkmale einer Spezies verändert und möglicherweise zur Entstehung neuer Arten führt. Einen Beleg für diesen zunächst nur theoretischen Mechanismus der Evolution fanden Locke Rowe von der University of Toronto und Göran Arnqvist von der University of Uppsala durch Untersuchungen an Wasserläufern, Insekten aus der Gruppe der Wanzen. Ihre Ergebnisse veröffentlicht jetzt das Fachblatt «Nature».

    Interessenskonflikte zwischen den Geschlechtern sind im Tierreich weit verbreitet. Was «Ihm» nützt, kann für «Sie» von Nachteil sein – möglichst häufige Paarungen zum Beispiel. Das Männchen will so oft es geht, möglichst mit verschiedene Weibchen, kopulieren, um seinen Gene zu verteilen. Das Weibchen mit seiner begrenzten Anzahl von Eizellen hat dagegen (außer einer eventuell vorteilhaften höheren genetischen Variation ihrer Nachkommen) praktisch gar nichts von häufigem Sex mit unterschiedlichen Partnern, der nur Energie kostet und auch die Flucht vor möglichen Feinden erschwert.

    Greifarm gegen Stacheln

    Mehr im Internet:
    Das «Vorspiel» der Wasserläufer besteht in einer Art Ringkampf, in dem das Männchen bemüht ist, die Partnerin festzuhalten, während das Weibchen den Freier abzuschütteln versucht. Um ihre Erfolgsaussichten zu erhöhen, haben die Männchen im Laufe der Evolution immer wirksamere Klammerwerkzeuge entwickelt. Im Gegenzug bildeten die Weibchen zur Abwehr immer effizientere stachelige Fortsätze am Hinterleib aus.

    Abdomina von Wasserläufern.
A und B: Männchen und Weibchen einer besonders 'bewaffneten' Spezies.
C und D: Männchen und Weibchen einer weniger 'bewaffneten' Spezies.
    Foto: Locke Rowe, Göran Arnqvist
    Der hier beobachtete Rüstungswettlauf zwischen männlicher Hartnäckigkeit und weiblicher Widerstandskraft ist in der Natur allerdings nicht leicht zu finden, sagen die Forscher. Normalerweise stellt sich zwischen den Waffen der Geschlechter ein Gleichgewicht ein, so dass der ursprüngliche Konflikt unerkannt bleibt. Nur vorübergehend ist es einer Seite möglich, im Vorteil zu sein. Ein solches Beispiel für die Verschiebung der Waffenbalance haben die Wissenschaftler bei verschiedenen Arten von Wasserläufern gefunden. Bei einigen Spezies waren die Weibchen im Vorteil, was zu einer geringen Paarungshäufigkeit führte. Im umgekehrten Fall stellten die Biologen eine hohe Paarungsrate fest.

    Sex-Konflikte und Art-Entstehung

    Die Forschungsergebnisse zeigen am Beispiel einer Insektengruppe, dass Konflikte zwischen den Geschlechtern die Ursache für die Veränderung körperlicher Merkmale sein können. Jede Partei optimiert ihre Waffen für den Kampf mit der anderen. Damit wird jede Veränderung des einen Geschlechts zur Triebfeder der Evolution des anderen. Dieser Prozess kann – wie offenbar bei den Wasserläufern - zur Entstehung neuer Arten führen. (nz/wsa)
    Starke Antennen: Wasserläufer-Männchen der Art  Rheumatobates rileyi haben ein Werkzeug (rechts), um sich die Weibchen gefügig zu machen. Zum Vergleich die Antennen des Weibchens (links).
    Foto: Locke Rowe, University of Toronto
    Gewaltsames Vorspiel auf der Wasserroberfläche: Ein Pärchen der Art Gerris lacustris.
    Foto: Jens Rydell & Ingela Danielsson, University of Uppsala





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