Weiße Haie sind Langstrecken-Wanderer
03.01.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Wanderer zwischen den Küsten: Weißer Hai
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Sender auf den Rücken und ab nach Hawaii: Mit einer neuen Methode haben Meeresbiologen bei Weißen Haien unerwartet lange Wanderungen verfolgt.
Weiße Haie suchen nicht nur in ihrer heimatlichen Küstenregion nach Beute, sondern legen Strecken von mehreren Tausend Kilometer zurück. Meeresbiologen von der Stanford University und von der University of California-Santa Cruz verfolgten die Wanderungen von sechs Tieren von der südkalifornischen Küste weit in den Pazifik bis vor die Küsten der Hawaii-Inseln. Bis zu drei Monate blieben die Haie im offenen Ozean, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Nature».
Schneller, tiefer, weiter«Was die Haie so weit draußen machen, ist ein Mysterium für uns. Vermutlich spielen diese Wanderungen bei der Paarung eine Rolle», sagt Burney J. Le Boeuf vom
Institute of Marine Sciences in Santa Cruz. Bisher vermuteten die Wissenschaftler, dass Haie ihre heimatlichen Küstenregionen kaum verlassen. Erst moderne Kommunikations-Technik ermöglichte den Forschern die Monate lange Verfolgung der bis zu sieben Meter langen und rund zwei Tonnen schweren Meeresräuber.
Neben dem exakten Ort lieferten Sonden, die die Forscher auf dem Rücken der Haie anbrachten, auch Daten über Tauchtiefe und Geschwindigkeit. So verbergen sich die wendigen Tiere entweder in rund 300 bis 500 Metern Tiefe, oder legen nur knapp fünf Meter unter der Wasseroberfläche pro Tag bis zu 80 Kilometer zurück.
Topp-ProjektBisher war es nur mit indirekten Methoden möglich gewesen, etwas über das Wanderverhalten von Haien zu erfahren. Mit genetischen Analysen etwa fanden Wissenschaftler im vergangenen Jahr heraus, dass Männchen offenbar deutlich länger Strecken zurücklegen als Weibchen, dass sie sich auch mit weit entfernt lebenden Weibchen paaren.
Um das Wanderungsverhalten besser zu verstehen, haben die Meeresbiologen bereits mit weiteren Messungen an mit Sendern ausgestatteten Haien bei Año Nuevo und den Farallon-Inseln begonnen. Diese Hai-Verfolgung ist ein erster Schritt des «Topp-Projektes» (für Tagging of Pacific Pelagics), in dem bis zu 4000 Fische, Vögel und Meeressäuger über einen langen Zeitraum beobachtet werden sollen. Diese Daten sollen auch einen besseren Schutz bedrohter Tierarten ermöglichen. (nz/wsa)