netzeitung.deWenn das kleine Nashorn singt

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Kommunikativ: das Sumatra-Nashorn, Dicerorhinus sumatrensis (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Kommunikativ: das Sumatra-Nashorn, Dicerorhinus sumatrensis
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die vom Aussterben bedrohten Sumatra-Nashörner haben ein für ihre Tiergruppe beispielloses Repertoire an Lautäußerungen - was Zoologen dazu bringt, eine gewagte Hypothese über ihre Evolution aufzustellen.

Amerikanische Zoologen haben erstmals die Lautäußerungen des Sumatra-Nashorns untersucht. Wie sie auf einem Fachkongress berichteten, verfügen die Tiere über ein großes Repertoire an Lauten, die vom tiefen Brummen bis zu spitzen Schreien reichen. Und selbst beim Fressen geben sie keine Ruhe.
Kleines Nashorn, große Töne
Mit einer Schulterhöhe von maximal 1,5 Metern ist das Sumatra- Nashorn (Dicerorhinus sumatrensis) die kleinste Nashornart. Die zottelhaarigen Tiere leben in dichten Regen- oder Bergwäldern und waren einst über ganz Südostasien verbreitet. Durch Bejagung und Vernichtung ihres Lebensraumes wurden sie jedoch stark reduziert. Heute leben schätzungsweise noch 300 Exemplare, unter anderem in Burma, Thailand sowie auf Sumatra und Borneo.

Zwar geben auch andere Nashorn-Arten gelegentlich Laute von sich. An die Ausdauer und die Lautvielfalt des Sumatra-Nashorn kommen sich jedoch nicht heran, fanden Elisabeth von Muggenthaler vom Fauna Communications Research Institute in Hillsborough, North Carolina, und ihre Kollegen heraus. Sie unterzogen aufnahmen von Lautäußerungen dreier im Zoo von Cincinatti lebender Sumatra-Nashörner einer detaillierten Analyse.

Kommunikation mit tiefen Tönen
Wie die Forscherin und ihre Kollegen auf einer Tagung der Acoustical Society of America berichteten, produzierten die Tiere fast ununterbrochen Geräusche, die sich in drei Gruppen einordnen ließen. So gab es kurze, helle Schreie, die einen Frequenzbereich von 70 bis 4000 Hertz abdeckten. Daneben zeichneten die Mikrophone langgezogene Pfeiftöne auf, die Schallpegel von bis zu 100 Dezibel erreichten. Teilweise waren diese Pfeiftöne mit Frequenzen von 17 Hertz für das menschliche Ohr kaum noch wahrnehmbar, dann wiederum erreichten sie mit 8000 Hertz sehr hohe Stimmlagen. Vor allem die tiefen Pfeiftöne eignen sich besonders gut zur Kommunikation im dichten Wald, glauben von Muggenthaler und ihre Kollegen.
Wal-Verwandtschaften?
Schließlich stießen die Wissenschaftler noch auf Klänge, die stark an Gesänge von Buckelwalen erinnerten. Eine Klanganalyse bestätigte die Ähnlichkeit mit den Waltönen. Nach Ansicht der Forscher könnte dies zwei Gründe haben: Einerseits könnten ähnliche Anforderungen bei Walen und Nashörnern zur Entwicklung ähnlicher Laute geführt haben. Andererseits werde eine enge evolutionäre Verwandtschaft der zwei Tiergruppen diskutiert. Daher sei es theoretisch möglich, dass es sich hierbei um eine sehr urtümliche Lautäußerung handele, die die Tiere von ihren Vorfahren übernommen haben.( nz/jkm)