netzeitung.deMeteoriten-Einschlag beendete möglicherweise alte Hochkulturen

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Ging die sumerische Hochkultur (im Bild Zeichen der sumerischen Bilderschrift) durch einen Meteoriten-Einschlag zugrunde? (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ging die sumerische Hochkultur (im Bild Zeichen der sumerischen Bilderschrift) durch einen Meteoriten-Einschlag zugrunde?
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Aktuelle Satellitenbilder deuten auf Zerstörungen vor 4.300 Jahren. Auf das Gebiet des heutigen Irak muss damals ein Meteorit gestürzt sein.

Der Einschlag eines Meteoriten beendete vermutlich die Kultur der Sumerer im Zweistromland und das Alte Reich der ägyptischen Pyramidenbauer. Entwässerungsarbeiten im südlichen Irak legten einen Krater frei, der an die Umweltkatastrophe vor 4.300 Jahren erinnert. Sharad Master von der Universität of the Witwatersrand berichtet jetzt im Londoner «Telegraph» über seine Entdeckung.
Einschlagskrater
Der südafrikanische Geologe studierte anhand von Satellitenbildern die Durchführung von Kanalarbeiten in der Region Al 'Amarah im Süden des Irak. Etwa fünfzehn Kilometer nordwestlich des Zusammenflusses von Euphrat und Tigris befand sich ein etwa drei Kilometer breiter, kreisrunder See, der in den vergangenen Jahren trockengelegt wurde. In seiner Mitte ließ sich ein ringförmiger Erdwall deutlich erkennen, wie er für Einschlagskrater von Meteoriten typisch ist.

Das Sedimentgestein in der Nähe des ausgetrockneten Sees ist jüngeren Datums und gestattet eine vorläufige Datierung: «Die Ablagerungen in dieser Region sind sehr jung, so dass dieses kraterartige Gebilde während der vergangenen 6.000 Jahre entstanden sein muss, ganz gleich aus welcher Ursache,» erläutert Master gegenüber der Zeitung. Gesteinsproben vom Boden des Sees könnten den Zeitraum näher bestimmen.

Katastrophale Überschwemmungen
Über das katastrophale Ausmaß eines Einschlags mit der Kraft von mehreren hundert Atombomben kann es nach Ansicht von Master keinen Zweifel geben. Vor 4.000 Jahren war das Gebiet von einem seichten Meeresarm überflutet. Gewaltige Überschwemmungen und Brände müssen die Folge dieses Ereignisses gewesen sein. Der Meteorforscher Benny Peiser von der John-Moores-Universität in Liverpool bestätigt die Theorie seines südafrikanischen Kollegen. Erst kürzlich seien in Argentinien Einschlagskrater aus demselben Zeitraum entdeckt worden. Offensichtlich kreuzte damals eine ganze Familie dieser Himmelskörper die Erdbahn.

Über den Einfluss dieser Umweltkatastrophe auf die frühen Hochkulturen kann zur Zeit nur spekuliert werden, weil urkundliche Nachrichten fehlen. Allerdings gibt der etwa gleichzeitige Niedergang der sumerischen Kultur und die Errichtung des semitischen Reichs von Akkad durch König Sargon um 2350 v. Chr. zu denken. Damals entstand auch das babylonische Epos von der Weltschöpfung. Es berichtet darüber, wie die Götter des Chaos als Sternbilder an den Himmel verbannt wurden. Auch erzählen einige Varianten des berühmten Gilgamesch-Epos über Flut- und Brandkatastrophen.

Beginn einer Kaltzeit
Fekri Hassan, Professor am University College in London, hatte bereits vor wenigen Monaten nachweisen können, dass eine langdauernde Trockenzeit mit Hungersnöten dem Alten Reich Ägyptens ein Ende setzte. Durch Gesteinsproben konnte der Beginn dieser weltweiten Kaltzeit ziemlich genau auf das Jahr 2200 v. Chr. datiert werden. Damals verringerten sich die Niederschläge in Ägypten um zwanzig Prozent, die fruchtbaren Nilüberschwemmungen gingen drastisch zurück. Ein Meteorschauer könnte diese einschneidenden Veränderungen erklären. (nz/jkm).