netzeitung.deLeonardos Brücke nach 500 Jahren gebaut

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Die Brücke kurz vor der Fertigstellung (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Brücke kurz vor der Fertigstellung
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Zu Lebzeiten Leonardo da Vincis galt das Projekt als undurchführbar. 500 Jahre später ist eine Brücke nach Originalplänen des Meisters gebaut worden.

Es war der visionäre Entwurf eines Universalgenies: Im Jahre 1502 entwickelte Leonardo da Vinci die Pläne für eine Brücke über das Goldene Horn bei Istanbul. Doch der Entwurf war mit der Technik seiner Zeit nicht zu verwirklichen. 500 Jahre später wurde Leonardos Projekt doch noch realisiert – in Norwegen.
Die Suche nach der passenden Stelle
Vebjörn Sand heißt der Mann, der da Vincis Entwurf aufgriff. 1995 entdeckte der Künstler, der in Norwegen vor allem wegen seiner öffentlichen Großprojekte bekannt ist, die Pläne auf einer Leonardo-Ausstellung. Sand war sofort fasziniert von den klaren Proportionen und beschloss, die Brücke zu bauen.

Bei den norwegischen Behörden stießen Sands Ideen zwar auf offene Ohren, die Realisierung seines Projekts war trotzdem nicht einfach. «Normalerweise gibt es eine Stelle, an der eine Brücke benötigt wird. Wir entwerfen dann eine, die dorthin passt. Diesmal hatten wir eine Brücke und mussten die Stelle finden, wo sie hinpasst», beschreibt ein Beamter des norwegischen Verkehrsministeriums das Problem.

Fündig wurden Sand und seine Mitstreiter schließlich an der E-18, einer Autobahn zwischen Norwegen und Schweden. Allerdings mussten für das Bauwerk in Höhe der Ortschaft As einige Änderungen an den ursprünglichen Plänen vorgenommen werden. Schließlich wäre Leonardos Brücke, seinerzeit für den mächtigen Sultan Bayazid II. geplant, im 16. Jahrhundert das größte Bauwerk dieser Art weltweit gewesen. 340 Meter Länge und über 20 Meter Breite waren den norwegischen Bauherren dann doch zuviel.

Eine Brücke als MetapherDie Brücke in Leonardos OriginalplanFoto: Vebjörn Sand
Als Fußgängerbrücke überspannt der frisch eingeweihte Holzbau jetzt etwa 100 Meter. Abgesehen von den Dimensionen haben sich die Bauherren jedoch an da Vincis Originalpläne gehalten, einschließlich des auffälligen Bogens, der dem Bauwerk die nötige Stabilität verleiht. Und die Ingenieure des Sultans von der Unausführbarkeit des Bauwerks überzeugte.

Für Vebjörn Sand ist «Leonardos Brücke nicht einfach eine schöne Brücke. Es ist auch eine Metapher für die Begegnung von Himmel und Erde, Dunkelheit und Licht.» Mit dem jetzt eröffneten Bau ist das Leonardo-Projekt für ihn keineswegs erledigt. Der moderne Visionär hat noch einen weiteren Traum: eine Leonardo-Brücke auf jedem Kontinent der Erde.