Überleben lernen vom Wüstenkäfer
01.11.2001
Herausgeber: netzeitung.de
Sinnvolle Pickel auf dem Rücken: Schwarzkäfer in der Namib beim Wasser sammeln.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Wer in der Wüste Namib lebt, sollte nicht mit Regen rechnen. Wasser gibt es trotzdem. Wie man den Morgentau sammeln kann, lehrt ein kleiner Käfer.
In der Wüste Namib im Südwesten Afrikas fällt praktisch kein Regen. Von der Atlantikküste her steigt allerdings jeden Morgen ein feiner Nebel auf, der Pflanzen und Tieren als Quelle für die tägliche Portion Wasser dienen kann.
Sammeln mit PickelnDie Evolution hat die Lebewesen dort mit den verschiedensten «Technologien» zur Wassergewinnung ausgestattet. Wie Schwarzkäfer der Gattung
Stenocara allein mit dem Tau gut über die Runden kommen, haben jetzt der Zoologe Andrew Parker von der Universität Oxford und Chris Lawrence vom Forschungsinstitut «Qinetiq» herausgefunden. Der Käfer sammelt den Tau mit einer ausgeklügelt wirkenden Kombination von Wasser anziehenden und weiterleitenden Strukturen auf seinem Rücken und lässt sich die Tropfen dann ins Maul laufen.
Der Rücken des Schwarzkäfers erscheint auf den ersten Blick wie ein glatter Panzer mit vielen kleinen Pickeln. Tatsächlich findet sich zwischen den Erhebungen ein Netz mikroskopisch kleiner Kuhlen. Die Erhebungen sind weich und glatt, die Kuhlen dagegen mit Wachs überzogen.
Morgentliches Bad im TauDer Tau setzt sich auf den Wasser anziehenden («hydrophilen») Pickeln ab, wenn sich der Käfer morgens dem feuchten Küstenwind aussetzt, und kann dort Tröpfchen für Tröpfchen zu größeren Tropfen wachsen. Sind diese groß genug, laufen sie dem Wüstenkäfer schließlich über die wächsernen Kuhlen den Rücken hinunter nach vorn zum Maul.
Parker und Lawrence schreiben am heutigen Donnerstag im Magazin «Nature», mit speziellen Zeltplanen könne auch der Mensch nach Käfer-Vorbild Wasser sammeln. Dass das Prinzip kopiert werden kann, bewiesen sie in einem Experiment. Die Wissenschaftler verteilten winzige Glaskügelchen auf einer Wachsschicht und bestäubten sie mit feinem Wassernebel. Tatsächlich blieben durch die Glaskügelchen Wassertropfen hängen, die sich auf der Wachsschicht allein nicht angesammelt hätten.
Technologische AnwendungDie Prototypen der Folien «funktionieren traumhaft», so Andrew Parker im Gespräch mit der Netzeitung, «die Ausbeute an Wasser ist viel höher als bei allen bisher eingestzten Einrichtungen zum Sammeln von Tau in der Wüste». Quinitiq, eine bisher zum britischen Verteidigungsministerium gehörende Firma, hat die weiteren Entwicklungsarbeiten übernommen. (nz/jkm)