netzeitung.deErdmagnetfeld steuert Fressverhalten bei Zugvögeln

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Mit Magnetkompass für die Reise in die Ferne: Der Sprosser (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Mit Magnetkompass für die Reise in die Ferne: Der Sprosser
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Zugvögel können offenbar an den Charakteristika des Erdmagnetfeldes ablesen, ob lange Strecken ohne Nahrung bevorstehen.

Die Nachtigallen verließen niemals das Labor in Stockholm. Und doch fühlten sie sich offenbar wie in Ägypten. Dort sind die Zugvögel auf ihrem Weg nach Süden normalerweise gezwungen, sich zusätzliche Fettreserven anzufressen, um den langen Trip über die Sahara zu bewältigen.
Fettreserven für den Flug
Was die ägyptischen Empfindungen an der Universität Stockholm auslöste, war offenbar das Magnetfeld, dem die Vögel ausgesetzt waren. Wenn die Forscher in der Umgebung der Nachtigallen ein Magnetfeld erzeugten, das in seinen Charakteristika dem entsprach, dass sie im Nordosten Afrikas vorfinden würden, fraßen sie deutlich mehr und legten im Labor kräftig an Gewicht zu.

Diese Art «magnetischer Karte» ist den Nachtigallen angeboren und wird nicht etwa von erfahreneren Vögeln gelernt. Der Beweis dafür ist schlichtweg die Tatsache, dass Thord Fransson und seine Kollegen für ihre Versuche ausschließlich junge, beim Vogelzug völlig unerfahrene Nachtigallen («Sprosser», Luscinia luscinia) untersuchten.

Wie die Meeresschildkröten
Orientierung anhand des Erdmagnetfeldes ist bisher nur bei wenigen Tierarten wirklich bewiesen. Unechte Carettschildkröten (Caretta caretta) etwa sind in der Lage, sowohl den Inklinationswinkel der Magnetfeldlinien als auch die Stärke des Erdmagnetfeldes zu messen. Wie, ist unklar. Doch dass sie sich bei ihren Wanderungen im Nordatlantik an diesen Parametern orientieren, gilt nach zahlreichen Untersuchungen des Forscherehepaares Lohmann von der University of North Carolina in Chapel Hill als erwiesen. Auch bei verschiedenen Insektenarten ist zumindest nachgewiesen, dass sie verschiedenen Magnetfeldstärken unterscheiden können. Monarchfalter etwa orientieren sich ebenfalls am Erdmagnetfeld.

Inklinationswinkel und Magnetfeldstärke schaffen für fast jeden Punkt auf der Welt eine einzigartige Kombination, die wie eine Markierung auf einer Weltkarte verstanden werden kann. Wie die Vögel diese Parameter messen, ist noch unklar.