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Schimpansen: Viel Sex in der Gruppe
23. Okt 2001 08:55

Wilder Schimpanse - Die Weibchen sind treuer als bisher vermutet.
Foto: BR
Bisher glaubten Wissenschaftler, dass Schimpansenweibchen die Väter für ihre Kinder gerne in der Nachbarschaft suchen. Neue Untersuchungen an wilden Gruppen in einem Nationalpark der Elfenbeinküste kommen zu einem anderen Ergebnis.
 
Von Richard Friebe
 
Thema: Schimpansen-Forschung
Schimpansenweibchen scheinen doch treuer zu sein, als man ihnen bisher nachsagte. Die meisten Nachkommen in drei benachbart lebenden Gruppen, die Linda Vigilant und ihre Kolleginnen und Kollegen im Tai Nationalpark an der Elfenbeinküste untersuchen konnten, haben Väter aus der eigenen Gruppe.

Haaranalyse

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  • Die Forscher vom Leipziger Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie schafften es, bei den wild lebenden, aber an menschliche Beobachter gewöhnten («habituieren») Gruppen Erbmaterial von 41 Nachkommen zu untersuchen. Dafür mussten sie ihnen weder Blut abnehmen noch Haare abschneiden. Die DNA wurde hauptsächlich aus Fäkalien und verlorenen Haaren gewonnen, in einem Fall auch aus Speichel in einem zerkauten Fruchtstück.

    Die Forscher aus der Arbeitsgruppe von Christophe Boesch untersuchten dann individuell sehr unterschiedliche DNA-Abschnitte, sogenannte Mikrosatelliten, um die Verwandtschaftsbeziehungen herauszufinden. Sie nutzten dabei ein Ausschlussverfahren, wie es auch forensische Mediziner für Verwandtschafts- und Vaterschaftsanalysen beim Menschen einsetzen.

    Sex in der Gruppe

    Mehr in der Netzeitung: Verhaltensforschung
    Bei 34 der 41 Nachkommen kamen die Väter eindeutig aus der Gruppe, der auch die Mütter angehörten. Das berichten die Forscher am heutigen Dienstag in den «Proceedings of the National Academy of Sciences». Nur bei einem einzigen war der Vater mit Sicherheit ein Fremder. Das entsprechende Weibchen war in der Zeit der wahrscheinlichen Empfängnis auch nicht bei seiner Gruppe gewesen. Für sechs Tiere konnten die Primatologen die Vaterschaft nicht eindeutig zuordnen.

    So könnte der Anteil der sogenannten Außer-Gruppen-Vaterschaft (extra-group-paternity, EGP) für diesen Gruppen zwischen zwei (nur der eine bekannte Fall hätte wirklich einen Vater außerhalb der Gruppe) und 17 Prozent (alle nicht identifizierten Tiere hätten auch Väter außerhalb der Gruppe) liegen. Vigilant und Boesch schätzen, dass die Wahrheit in der Mitte liegt. Etwa sieben Prozent soll die Rate der Fremd-Vaterschaften betragen. Sie läge damit weit unter den 50 Prozent, von denen man nach einer früheren, methodisch offenbar nicht sicheren Untersuchung im selben Gebiet ausgegangen war.

    Wenig frische Gene

    Mehr im Internet:
    Mehr erfolgreicher Sex innerhalb der Gruppe also, als bisher angenommen. Die alten Ergebnisse hatten zwar sehr gut in die Theorie gepasst, dass die Weibchen sich bevorzugt mit fremden Männchen paaren würden, um sich für ihre Nachkommen frisches Genmaterial zu sichern und so Inzucht zu vermeiden. Allerdings hatten auch Verhaltensbeobachtungen diese hohe Fremdgeh-Rate bisher nie bestätigen können: Nur ein Prozent aller beobachteten Kopulationen bei den Schimpansen im Tai-Nationalpark fand bisher zwischen Mitgliedern von Nachbargruppen statt. Für genetischen Zustrom ist allerdings trotzdem gesorgt: Er scheint zu einem bedeutenden Teil von Weibchen zu kommen, die im geschlechtsreifen Alter ihre Gruppe verlassen und sich den Nachbarn anschließen.





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