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Als die Seekuh baden ging
11. Okt 2001 07:29, ergänzt 08:26 Alte Knochen aus Jamaika erzählen die Geschichte von der Eroberung des Meeres durch Säugetiere.
Einen außergewöhnlichen paläontologischen Schnappschuss präsentiert ein amerikanischer Anatom in der aktuellen Ausgabe von «Nature». Anhand von rund 50 Millionen Jahre alten Knochen beschreibt der Forscher eine primitive Seekuh-Art, die am Übergang vom Land- zum Wasserleben stand.
Leben in der Lagune
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Die Knochen stammen aus der Umgebung der jamaikanischen Stadt Seven Rivers. Die Fundstelle war in jenen Urzeiten vermutlich eine Lagune oder ein Flussdelta, berichtet Daryl Domning von der Howard University in Washington D.C. Darauf deuteten Fossilien von zahlreichen wasser- und landbewohnenden Tieren hin, darunter auch mehrere gut erhaltene Skelette einer längst ausgestorbenen, etwa zwei Meter langen Seekuh-Art.
Die auf den Namen Pezosiren portelli getaufte Art stand am Übergang von der terrestrischen (landgebundenen) zur vollständig aquatischen Lebensweise, glaubt Domning. Anders als moderne Seekühe hatte sie noch vier vollständig ausgebildete Beine und ein gut ausgebildetes Kreuzbein. Zudem war die Verbindung zwischen Hüftknochen und Wirbelsäule noch sehr ausgeprägt. Daher konnte diese Seekuh-Art sich durchaus noch auf dem Land aufhalten, so der Forscher.
Musterbeispiel für die Evolution
 | Paläontologe Domning mit dem rekonstruierten Skelett seiner Ur-Seekuh. | | Foto: Raymond L. Bernor |
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Umgekehrt wies Pezosiren (wörtlich etwa «die laufende Sirene») bereits Anpassungen an ein Leben im Wasser auf. Die walzenförmigen Tiere besaßen keine Nasennebenhöhlen mehr, dafür aber eine ausgeprägte Schnauze mit nach hinten verlegten Nasenöffnungen und sehr dicke Rippen. Nach Ansicht von Domning bewegten sich die Tiere ähnlich wie heutige Otter durch Krümmen der Wirbelsäule und unter Einsatz der Hinterbeine im Wasser fort, da ihnen ein echter Ruderschwanz noch fehlte.
Domning sieht in der neuen Art «eines der ausgeprägtesten Beispiele für die morphologische Evolution, das wir von Wirbeltierfossilien kennen». Heute existieren weltweit noch zwei Familien von Seekühen. Die bis zu 4,5 Meter langen Manatis besiedeln warme Gewässer vom Karibischen Meer bis nach Westafrika. Die etwas kleineren Dugongs finden sich dagegen vom Roten Meer bis nach Australien. Alle Arten sind stark bedroht. (nz/jkm)
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