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Neandertaler als Altenpfleger
11. Sep 2001 09:01
 | Zahnlos in Neandertal - Die Urmenschen vor 150.000 Jahren sorgten schon für Schwache und Kranke. | | Bild: Z. Burian |
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Schon vor 150.000 Jahren kümmerten sich Urmenschen um kranke Artgenossen. Ein zahnloser Kiefer aus Frankreich setzt Neandertaler in ein neues Licht.
Von Richard Friebe
Der Unterkiefer ist alt, ungefähr 150.000 Jahre. Zähne fehlen ihm völlig. Das freut Anthropologen normalerweise nicht besonders, lassen doch die Kauflächen noch am besten Rückschlüsse auf die Lebensweise von Fossilien zu, insbesondere auf deren Ernährung. Bei diesem Stück Knochen stellte sich für Erik Trinkaus, Serge Lebel und ihre Kollegen jedoch heraus, dass weniger mehr ist.
Zahnloser Überlebender
«Der Neandertaler, zu dem dieser Knochen gehörte, verlor seine Zähne lange bevor er starb», sagte Erik Trinkaus von der Washington University in St. Louis, «er konnte seine Nahrung ganz sicher nicht mehr selber kauen. Wir müssen deshalb davon ausgehen, dass Mitglieder der Gruppe ihm geholfen haben, Nahrung zu zerkleinern, sie ihm vielleicht sogar vorgekaut haben.» Der Zahnlose Kiefer wird so zum Hinweis auf ein Niveau von Sozialverhalten, «das ausreichte, um behinderte Individuen zu unterstützen und auch die Motivation dafür zu geben», wie die Wissenschaftler heute in den Proceedings of the National Academy of Sciences schreiben.
 | Dieser zahnlose Kiefer aus dem französischen Bau d´ Aubesier fügt der Geschichte des Neandertaler ein neues, soziales Kapitel hinzu. | | Foto: Washington University |
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Zusammen mit anderen Funden, die zeigen, dass die Steinzeitmenschen jener Periode auch in der Lage waren, schwer verletzte Mitglieder ihrer Gruppen «durchzubringen», zeichnet sich nun langsam ein neues, in gewisser Weise menschlicheres Bild ihrer Gesellschaft ab. «Wir sehen immer mehr», so Trinkaus im Gespräch mit der Netzeitung, «dass die Neandertaler nicht so dumm waren – wir sehen in ihnen jetzt immer deutlicher Leute, die eigentlich schon richtige Menschen waren.»
Von den «Modernen» absorbiert
Warum verschwanden sie dann vor etwa 40.000 Jahren von der prähistorischen Bildfläche? Die sogenannten «modernen» Menschen, unsere direkten Vorfahren, waren ihnen nicht eigentlich überlegen, glaubt Erik Trinkaus: «Sie waren nur mehr, lebten in größeren Gruppen, und die Minderheit - Neandertaler - wurde von ihnen einfach absorbiert.»
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