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Mit dem Bohrer durch die Klimageschichte
20. Aug 2001 09:13

Die 'Joides Resolution', das Forschungsschiff des Ocean Drilling Program.
Foto: ODP
Forscher haben einen Bohrkern von der Küste Venezuelas untersucht. Ergebnis: «El Nino» hat das Klima schon vor 4000 Jahren geprägt.
 
Ein internationales Forscherteam hat durch Unterwasserbohrungen vor der Küste Venezuelas die Klimageschichte des nördlichen Südamerika während der letzten 14.000 Jahre nachgezeichnet. Die Wissenschaftler untersuchten die oberen 5,5 Meter eines Sedimentkerns, der in knapp 900 Metern Wassertiefe erbohrt wurde. Dank schwankender Eisen- und Titangehalte in den Meeresablagerungen konnten mehrere Klimawechsel identifiziert werden, schreiben die Forscher im Wissenschaftsmagazin «Science».

Grundlegende Veränderung vor 4000 Jahren

Mehr im Internet:
Vor 11.500 Jahren stiegen demnach die Mineralgehalte aufgrund wachsender Niederschläge langsam an. In der Periode des so genannten «Klimaoptimums» (vor 10.500 bis 5.400 Jahren) erreichten sie ihre Höchstwerte, unterbrochen lediglich von einigen kurzen Trockenphasen.

Dann aber, vor rund 4.000 Jahren, veränderte sich das tropische Klima grundlegend. Extreme Trockenphasen erstreckten sich über Jahrzehnte, oft sogar über Jahrhunderte, und wurden von ebenso extremen Feuchtperioden abgelöst. So erwiesen sich die Zeit zwischen 3.800 und 2.400 Jahren sowie die «Kleine Eiszeit» des europäischen Mittelalters für das Untersuchungsgebiet als ausgesprochen dürre Perioden.

«Als Ursache der Niederschlagsschwankungen sehen wir Nord-Süd-Verschiebungen der Innertropischen Konvergenzzone an», sagt Dr. Gerald Haug, Meeresgeologe an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Der Befund wird auch durch Blütenpollenanalysen vom südamerikanischen Kontinent gestützt.

«El Nino» verschob den Wettergürtel

Den Grund für die Verschiebungen der Konvergenzzone und die abrupte Veränderung vor etwa 4000 Jahren sehen Haug und seine Koautoren im periodischen Auftreten des Klimaphänomens «El Nino». In diesen Phasen, in denen das kalte Oberflächenwasser vor Peru und Chile durch massive Warmwasserschübe verdrängt wurde, verschob sich der tropische Wettergürtel um bis zu 10 Breitengrade gen Süden.

«Global gesehen stellen diese El Nino-Ereignisse nach den Jahreszeiten den zweitstärksten Klima- und Wettermotor unseres Planeten dar», sagt Gerald Haug. «Wir wissen zudem, das El Nino viele Fernwirkungen hat. Eine davon sind die Trockenphasen im nördlichen Südamerika, wie wir sie aus unseren neuen Daten heraus lesen.»

Die untersuchten Sedimente wurden im Rahmen des «Ocean Drilling Program» gewonnen, eines internationalen Forschungsprojekts zur Untersuchung der Erdgeschichte. Mehr als 20 Nationen beteiligen sich an dem Projekt, dessen Herzstück das mit modernster Untersuchungstechnik ausgestattete Bohrschiff «Joides Resolution» ist. (nz/MWn)





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