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Die Heimat des Giganten
08. Aug 2001 13:32 Urzeitliches Ökosystem: Forscher der TU Berlin untersuchen die Welt des 80-Tonnen Kolosses Brachiosaurus.
Von Thomas Trösch
Die wissenschaftliche Erforschung der Dinosaurier konzentrierte sich bisher hauptsächlich auf Aussehen und Verhalten der Riesenechsen. Zahlreiche Knochenfunde bildeten die Grundlage für Rekonstruktionen und lieferten eine Fülle von zum Teil kontrovers diskutierten Informationen.
Ergiebige Fundstelle
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Einen ganz anderen Forschungsansatz verfolgen Wissenschaftler der TU Berlin: Sie wollen mehr über die Umwelt erfahren, in der die Riesen der Vorzeit lebten. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit dem Naturkundemuseum Berlin untersuchen die Wissenschaftler den Fundort des Brachiosaurus von Tendaguru.
Vor knapp hundert Jahren wurden in Tendaguru in Deutsch-Ostafrika (heute Tansania) Knochen eines Brachiosaurus entdeckt, eines Giganten von 23 Metern Länge, 12 Metern Höhe und 80 Tonnen Lebendgewicht. Schnell erwies sich die Lagerstätte in Tendaguru als einer der ergiebigsten Fundorte für Saurierknochen.
Knochen für Berlin
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Von 1909 bis 1913 wurden in mehreren Expeditionen des Museums für Naturkunde etwa 250 Tonnen Knochen und Skelette nach Berlin gebracht. Über 500 Arbeiter gruben nach den teilweise meterlangen Fossilien, die dann zu Fuß zur 110 Kilometer entfernten Küste transportiert werden mussten. Die Ergebnisse dieses Mammutprojekts sind noch heute in Berlin zu bestaunen, so auch der Brachiosaurus, dessen Skelett im Lichthof des Museums steht.Wenn Robert Bussert mit seinem Team von der TU Berlin heute nach Tendaguru fährt, ist er weniger an neuen Knochenfunden interessiert. Der Wissenschaftler arbeitet vielmehr an einem geologischen Modell der Entstehung der Saurier-Lagerstätte. Wie sah die Landschaft aus? Lag das heute im Landesinneren befindliche Tendaguru an einer Lagune? Warum sind die Dinosaurier umgekommen und warum sind die Knochen so gut erhalten geblieben? Dies sind einige der Fragen, die Robert Bussert mit seiner Arbeit beantworten möchte.
Wechsel zwischen Festland und Meeresboden
Eine Expedition im vergangenen Jahr brachte bereits erste Ergebnisse. So konnte Bussert ein Detailprofil der Sedimentfolge in Tendaguru erstellen, das einen Wechsel zwischen maritimen und kontinentalen Schichten offenbarte. «Das bedeutet, dass sich die Umgebung der Fundstelle vor 150 Millionen Jahren mehrmals stark veränderte, mal war es Meeresboden, mal war es Festland», erklärt Robert Bussert.Verantwortlich für diesen Wechsel sind Schwankungen des Meeresspiegels in der Geschichte der Erdentwicklung. «Wenn wir den Einfluss der Meeresspiegelschwankungen und des Paläoklimas auf die Entstehung der Lagerstätte verstehen, sind wir einen Schritt weiter bei der Rekonstruktion des Ökosystems zur Zeit des Brachiosaurus», so Robert Bussert. Der Forscher plant weitere Feldstudien in Tendaguru, finanziert auch aus den Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft - zunächst für ein Jahr. Doch es wird wohl noch wesentlich länger dauern, ehe die Welt, durch die der Brachiosaurus stapfte, vollständig erforscht ist.
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