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Löwentanten und Gemeinschaftsjunge
27. Jul 2001 06:13 Die Konsequenz, mit der eine Löwin ihr Junges verteidigt, ist sprichwörtlich. Doch die Tiere beschützen nicht nur ihren eigenen Nachwuchs.
BERLIN. Im Verband der Löwinnen dürfen sich alle Tiere fortpflanzen. Dieses seltene Beispiel für soziale Gleichberechtigung im Tierreich beobachteten Verhaltensforscher in Tansania über drei Jahrzehnte.
Modell Kinderladen
Mehr in der Netzeitung: Fortpflanzung: |
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Alle Löwenmütter eines Rudels gebären ihre Jungen etwa zur gleichen Zeit und ziehen sie gemeinsam auf. In den ersten Wochen nach der Geburt halten die Mütter ihren Nachwuchs noch versteckt. Erst dann führen sie die Jungen mit dem Rudel zusammen, wo die Kleinen ein Fundament der Löwengemeinschaft erfahren: Tantenliebe. Die Mütter in der Löwengemeinschaft sind oft Schwestern oder Halbschwestern.Wie Craig Packer vom Institut für Ökologie, Evolution und Verhalten der University of Minnesota in der neuen Ausgabe des Magazins «Science» berichtet, ist das «Modell Kinderladen» der Löwinnen sehr erfolgreich. Die Gemeinschaft bringt pro Kopf jedes Jahr etwa gleich viele Jungen durch, und im Rudel ist der Nachwuchs einer Löwin meist zahlreicher als bei Löwinnen, die ihre Jungen alleine aufziehen.
Despotisches Tierreich
Diese Strategie ist unter sozialen Raubtieren eher ungewöhnlich. So haben bei den ebenfalls für ihren engen Gruppenzusammenhalt bekannten Wölfen normalerweise nur das dominanten Alpha-Paar das Recht auf Fortpflanzung. Dieser Anspruch wird bei vielen Tierarten vehement verteidigt – mit fatalen Konsequenzen für den unerwünschten Nachwuchs tiefer stehender Gruppenmitglieder. Der Gemeinschaftssinn der Löwinnen bildet eine Ausnahme, doch auch sie befolgen nur ein Verhaltensmuster, das sich als erfolgreich bewährt hat.
Gemeinschaft lohnt sich
Packer und seine Mitarbeiter beobachten die Löwen in der Serengeti und im Ngorongoro-Krater. Seit den sechziger Jahren dokumentieren sie welche Löwen wie viel Nachwuchs haben. Vor allem im ersten Jahr ist die Sterblichkeit der Jungen aber groß, daher werteten sie erst die Einjährigen als «Reproduktionserfolg». In der Zeit von 1963 bis 1999 haben sie auf diese Weise sämtliche Zugänge zur Löwengemeinschaft erfasst.Warum die erfahrenen Weibchen die Fortpflanzung ihrer jüngeren Rudelmitglieder nicht kontrollieren und so versuchen, die Chancen für den eigenen Nachwuchs zu erhöhen, erklärt sich nach Meinung der Forscher so: Auseinandersetzungen unter den Tieren haben wegen ihrer natürlichen Kraft und Wehrhaftigkeit einen hohen Preis. Das Risiko, verletzt zu werden, ist zu hoch und der Machtkampf lohnt sich nicht.
Für das Web ediert von Patrick Eickemeier |
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