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Wenn Fische die Pille nehmen
28. Jun 2001 08:16

Rückstände von Medikamenten finden sich manchmal sogar in geklärtem Wasser. In Bonn haben Experten eine Bilanz der Wasserbelastung gezogen.
 
BONN. Wissenschaftler verschiedener Forschungsinstitute haben die Qualität des Trinkwassers in Deutschland untersucht. Ihr Fazit: Die Wasserqualität ist insgesamt zwar hoch, doch lassen sich zum Teil auch in geklärtem Wasser noch Rückstände von Medikamenten nachweisen.

Belastung für das Grundwasser

«Die Rückstände, die wir gemessen haben, liegen weit unter der therapeutischen Wirkschwelle», erklärte der Chemiker Thomas Ternes vom ESWE-Institut für Wasserforschung und Wassertechnologie bei einer Pressekonferenz in Bonn.

Mehr im Internet:
Allerdings haben die ESWE-Mitarbeiter in den vergangenen Jahren 45 Substanzen im bereits geklärten Wasser nachgewiesen, darunter Rückstände von Betablockern, Antibiotika, Anti-Epileptika sowie Inhaltsstoffe der Antibabypille. Selbst in einigen kleinen Bächen fanden die Mainzer einen Cocktail von Arzneiwirkstoffen mit einer Summe von zehn Mikrogramm pro Liter. «Auch Grundwasser und Uferfiltrate waren erheblich belastet», so Terres.

Problematisch ist dabei, dass kaum etwas über die Auswirkungen von Arzneistoffen auf die Umwelt bekannt sei. So können die Wissenschaftler nur vermuten, dass Rückstände von Antibiotika zur Resistenzbildung von Umweltbakterien beitragen.

Problematische Tiermast

Zu den wenigen sicheren Erkenntnissen gehören die Auswirkungen des «Pillenhormons» Ethinylestradiol im Wasser. Nach Untersuchungen des Schmallenberger Fraunhofer-Instituts sind Fische bei Konzentrationen von einem Nanogramm pro Liter, wie sie vereinzelt in der Nähe von Abwasserströmen gemessen wurden, weniger fruchtbar. Außerdem bilden die Männchen Dotterproteine, die normalerweise nur bei Weibchen vorkommen.

Die Wege, auf denen Medikamente ins Wasser gelangen, sind vielfältig. Zu den Haupteinbringern gehören Mülldeponien, dort tauchen immer wieder falsch entsorgte Medikamente auf. Auch im Abwasser von Krankenhäusern lassen sich extrem hohe Ansammlungen von Rückständen messen. Ein weiterer Hauptproduzent, die Tiermast mit Antibiotika als «Leistungsförderern», ist den Forschern bereits seit längerer Zeit ein Dorn im Auge.

Projekt «Poseidon»

Ein möglicher Lösungsweg für die Zukunft könnte das EU-Projekt «Poseidon» sein. Wissenschaftler aus sieben Ländern arbeiten hier an Technologien, die Arzneistoffe sowie kosmetische Inhaltsstoffe aus Abwasser und Trinkwasser entfernen sollen. Bis diese Techniken jedoch ausgereift sind, bleibt nur der Appell an den Einzelnen, mit Medikamenten verantwortungsvoll umzugehen.





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