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Artenschutz: Guter Wille und Papiertiger
20. Jun 2001 06:13 Seit 25 Jahren gilt das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES auch in Deutschland. Dennoch ist die Bundesrepublik ein lukrativer Absatzmarkt für den Ausverkauf der Natur.
BONN. Der Naturschutzbund NABU forderte am Dienstag anlässlich des deutschen CITES-Jubiläums die Bundesregierung auf, den Kampf gegen illegalen Handel mit bedrohten Tierarten zu verstärken. Der World Wide Fund for Nature (WWF) kritisierte einen unzureichenden Schutz von Heilpflanzen, von denen viele durch den anhaltenden Boom vom Aussterben bedroht sind.
Schneeleoparden und Mauerblümchen
Deutschland spiele unter den mehr als 150 Unterzeichner-Staaten des Artenschutzabkommens eine bedauernswert kleine Rolle, kritisierte NABU-Präsident Jochen Flasbarth. Die Regierung müsse international eine Führungsrolle übernehmen und auch innerhalb Deutschlands mehr Geld und Personal für den Artenschutz bereitstellen. Ein besonders trauriges Beispiel für den illegalen Handel mit geschützten Tierarten sei der streng geschützte Schneeleopard, dessen Felle Touristen in Asien offen zum Kauf angeboten würden.
Dass unter den mehr als 20.000 durch das Abkommen geschützten Pflanzenarten nur 20 zu den Heilpflanzen gehören, bemängelte die WWF- Expertin Susanne Honnef in einem dpa-Gespräch. «Im Artenschutz sind Heilpflanzen bislang Mauerblümchen», sagte sie. Während viele Pflanzen wie Ginseng und Johanniskraut in großem Umfang kommerziell angebaut werden, ist dies bei anderen nicht möglich. Daher ist das in Europa heimische Frühlings-Adonisröschen Adonis vernalis inzwischen ernstlich bedroht, weil es immer intensiver für die Behandlung von Herzkrankheiten genutzt wird. Deutschland sei der größte Importeur der Pflanze.
Illegaler Handel in der BRD
Nach Angaben des Bundesamts für Naturschutz ist die Bundesrepublik eine Drehscheibe für den Handel mit Heilpflanzen. Amtlichen Zahlen und Umweltverbänden zufolge blüht in Deutschland auch das verbotene Geschäft mit geschützten Tier- und Pflanzenarten. Bizarre Warane, Papageien und bunte Wildvögel im Heimtiermarkt, illegal eingeführte Vogelspinnen, Schildkröten aus Polen und vom Balkan, Taschen und Gürtel aus Schlangen- und Krokodilleder, seltene Kakteen aus Mexiko, afrikanische Tropenhölzer oder auch Heilpflanzen für die alternative Medizin – die Bundesrepublik gilt nach amtlichen Zahlen und Angaben von Naturschützern als einer der zentralen Absatzmärkte für lebende Wildtiere und -pflanzen und die aus ihnen gewonnenen Produkte.Deutschland arbeitet zwar aktiv beim weltweiten Artenschutz mit, urteilt der Umweltverband Pro Wildlife. So habe es zum Schutz von Elefanten, Meeresschildkröten und Walen beigetragen. Doch eine konsequente Kontrolle der Einfuhr von Naturprodukten lässt auf sich warten, kritisieren verschiedene Umweltverbände. Die Bundesregierung schiebt «der rücksichtslosen Plünderung» von Wildarten in Entwicklungsländern keinen Riegel vor, klagt Pro Wildlife. Die Zahl der Verfahren wegen illegalen Handels stieg in den vergangenen Jahren stetig an. Im Jahr 1999 gab es fast 3000 Verfahren, in denen über 17.000 Exemplare eingezogen wurden und doch sei das nur die «Spitze des Eisbergs», schätzen Experten. Pro Wildlife moniert, dass der Import geschützter Arten von den Behörden akzeptiert werde und seit Jahren deutlich ansteigt – wie etwa von Chamäleons und Geckos aus Madagaskar oder Wildvögeln aus Indonesien. Fahrlässig und gegen das Vorsorgeprinzip würden außerdem Hunderttausende durch das Abkommen ungeschützte Wildtiere ungehindert eingeführt. (nz/dpa)
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