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Wie Raubfische im Trüben fischen
05. Jun 2001 08:58

Wels verfolgt Beutefisch
Foto: Pohlmann/Breithaupt
Wie findet ein Raubfisch im Trüben oder Dunkeln seine Beute? Augen helfen ihm wenig. Konstanzer Verhaltensforscher haben bei räuberischen Welsen eine andere Strategie entdeckt.
 
KONSTANZ. Ein Fisch, der sich durchs Wasser bewegt, hinterlässt eine Spur, ganz ähnlich der Heckwelle eines Bootes. Dass es solche Spuren bei Fischen gibt, weiß man erst seit einem Jahrzehnt.

Wirbelspuren als Fährte für Raubfische

Mehr in der Netzeitung: Orientierung bei Tieren
  • Fehlgeleitete Bienen 31. Mai 2001 06:33
  • Bienen denken abstrakt 19. Apr 2001 08:52
  • Hummeln fliegen mit Verstand 27. Apr 2001 14:22
  • Diese so genannten Wirbelspuren können chemische Informationen enthalten, zum Beispiel abgegebene Duftstoffe des Fisches. Die Spur hält sich relativ lange im Wasser und entspricht damit einer Fährte. Aber können andere Fische diese Fährte auch lesen?

    Die Biologin Kirsten Pohlmann und ihre Kollegen von der Universität Konstanz haben den Beweis geliefert, dass Welse ihre Beute anhand von Wirbelspuren finden und verfolgen. Ihre Ergebnisse werden heute in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht. In einem dunklen Raum nahmen sie mit einer Infrarotkamera die Bewegungen von kleinen Guppies in einem Aquarium auf. Im Aquarium war ebenfalls ein Wels, der sich in einer bestimmten Entfernung genau gleich bewegte wie kurz zuvor die Guppies. Tatsächlich verfolgte der Wels sein Opfer über dessen Wirbelspur, der Abstand zwischen Guppy und Wels wurde immer kleiner bis der Raubfisch den kleineren Fisch fraß.

    Die Spur in der Dunkelheit

    Ein schwimmender Fisch verursacht eine Wirbelspur, die der Räuber verfolgt
    Bild: Breithaupt
    Die Wirbelspur wird vermutlich dann genutzt, wenn im Gewässer extrem schlechte Sichtverhältnisse herrschen oder der Raubfisch selbst keine leistungsfähigen Augen hat. Welse leben am Grund von nährstoffreichen und damit oft trüben Seen und haben nur kleine Augen. Sie finden ihre Beute über deren Wirbelspur.

    Der Vorteil der Technik: der Wels kann sich seinem Opfer von hinten nähern und läuft damit nicht Gefahr, frühzeitig entdeckt zu werden. Die Wahrnehmung der Spur läuft einerseits über das Seitenlinienorgan für die Information in der Wasserbewegung und andererseits über die Barteln, die «Schnurrhaare» des Raubfischs, die chemische Information aufnehmen.

    Wirbelspur zum Partner?

    Mehr im Internet:
    Auch Meeresfische könnten die Wirbelspuren anderer Tiere ausnutzen. Bislang weiß man nicht, wie einzeln lebende Fische in den Weiten der Ozeane andere Fische finden. Gruppenleiter Thomas Breithaupt vermutet: «Auf der Hochsee könnten Haie über Wirbelspuren ihre Beute aufspüren. Eine ganze Schule von Fischen produziert eine viel deutlichere Spur als ein einzelnes Tier und sollte deshalb für die Räuber leichter zu finden sein.» Aber die Spuren könnten auch für ganz andere Zwecke eingesetzt werden: «Vielleicht ist die Wirbelspur für Fische auf hoher See oder auch in der Tiefsee ein Mittel, um Sexualpartner ausfindig zu machen und sich zu paaren.»





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