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Die ersten Bauern Amerikas
18. Mai 2001 16:51
 | Mais-Pollen sind die ersten Zeugnisse von Landwirtschaft in Mittelamerika | | Foto: web |
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Ein paar Pollenkörner, die Wissenschaftler im Schlamm fanden, revolutionieren das Bild von der Entwicklung der Landwirtschaft in Amerika.
BERLIN. So manche wissenschaftliche Erkenntnis ist eher ein Ergebnis des Machbaren als objektive Wahrheit. Molekularbiologen forschen bevorzugt an Genen, die leicht zu «handlen» sind, über Goethe gibt es mehr Quellen als über Aischylos - und deshalb auch mehr wissenschaftliche Veröffentlichungen. Und auch Archäologen suchen bevorzugt dort, wo sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch etwas erhalten hat: in trockenen Gebieten beispielsweise, wo der biologische Verfall deutlich langsamer vonstatten geht als etwa in feuchtheißem Klima.
Archäologische Klimakatastrophen
Auf die Suche nach einer objektiveren Sichtweise der amerikanischen Geschichte machten sich jetzt Wissenschaftler in Mittelamerika. Sie hinterfragten die bisher anerkannte Theorie vom Ursprung der amerikanischen Landwirtschaft im mexikanischen Hochland. An der feuchtheißen Küste erhalten sich Fossilien, Gebäudereste, Werkzeuge und vieles mehr deutlich schlechter als im trockenen Hochland. Also suchte man bevorzugt an den Stellen, die nicht von solchen «archäologischen Klimakatastrophen» betroffen waren - und fand jene Zeugnisse, die das bisherige Bild der Geschichte Mittelamerikas mit bestimmten.Im mexikanischen Hochland sollte alles angefangen haben. So sagten es jedenfalls die bisherigen Daten. Für Kevin O. Pope und seine Kollegen nicht so ganz nachzuvollziehen, stammte doch die erste bekannte mittelamerikanische Hochkultur von der feuchtheißen Golfküste: Dort lebten die Olmeken, nachweislich schon um 1300 vor Christus, im Tiefland des heutigen Veracruz und Tabasco. Die Wissenschaftler suchten nun dort auch nach Zeugnissen früher Landwirtschaft. Und eine Besonderheit des Untergrundes in San Andres half: Die Ablagerungen aus den für die Forscher interessanten Zeitabschnitten liegen zum großen Teil unterhalb des derzeitigen Grundwasserspiegels. Weil dort kaum Sauerstoff hin gelangt, bleiben hier trotz tropischen Klimas so genannte Mikrofossilien, hauptsächlich Pollenkörner, außerordentlich lange erhalten.
Mais um 5100 vor Christus
Das älteste für die Forscher interessante Pollenkorn stammt etwa aus dem Jahr 5100 vor Christus: Pollen von Maispflanzen, die kultiviert worden sein müssen, denn wilden Mais gibt es an der Tabasco-Küste nicht. Zur gleichen Zeit fanden die Forscher die ersten eindeutigen Hinweise auf Waldrodungen. Damit muss die bisherige Meinung, dass die Mais-Kultivierung um 4000 vor Christus im Hochland in der Gegend von Oaxaca begann, wohl revidiert werden. Viel größere Mais-Pollen finden sich bereits hundert Jahre später: Ein Hinweis auf erfolgreiche Zucht oder auch «Import» von ertragreicheren Maissorten. Die Landwirtschaft scheint in jener Zeit eine rasante Entwicklung genommen zu haben. Schon um 4800 v. Chr. finden sich Hinweise auf weitläufige Rodungen und Mais-Kultivierung.
Indirekter Handel mit Amazonas-Bewohnern
 | Olmeken-Statue | | Foto: chicano |
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In einer mit der C14-Methode auf 4600 vor Christus datierten Erdschicht fand sich ein einzelnes Maniok-Pollenkorn. Wahrscheinlich haben die möglichen Vorfahren der Olmeken auch diese bis heute in Mittel- und Südamerika weit verbreitete Kulturpflanze angebaut. Wahrscheinlich war dieser Maniok auch ein «Import», der aus dem Amazonas-Becken ins heutige Mexiko gelangte – was bei all den Antworten doch wieder eine neue Frage aufwirft: Wenn die Landwirtschaft in der Neuen Welt nun offensichtlich doch in einer feuchtheißen Tieflandgegend erfunden wurde, wo genau geschah es dann zum ersten Mal? In Tabasco, im Amazonas-Becken, anderswo? Auch hier wird die Antwort wohl wieder ein bisschen dadurch beeinflusst sein, was «machbar», also erforschbar, ist.
Für das Web ediert von Richard Friebe |
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