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Lupe D. Carleton Gajdusek – von Kuru zu vCJD

Für seine Arbeiten über die Kuru-Krankheit, den lachenden Tod, erhielt er 1976 den Nobelpreis. Heute setzt er sich immer noch für die Aufklärung von Prion-Krankheiten wie BSE und vCJD ein.

BERLIN. Bereits im zarten Alter von fünf Jahren erwachte das Interesse des kleinen Daniel Carleton für die Wissenschaft. Was wird wohl aus den seltsamen auf Zweigen gesammelten Gebilden werden? Bald bevölkerten Gottesanbeterinnen die Vorhänge des heimischen Wohnzimmers der Familie Gaijdusek. Auch heute ist der 1923 in einem New Yorker Vorort geborene Sohn eines slowakischen Metzgers und einer ungarischen Mutter aus einer Wissenschaftlerfamilie noch aktiv in der Forschung tätig. Nach einem bewegten Leben an verschiedenen renommierten Instituten in der ganzen Welt arbeitet der Virologe und Kinderarzt heute in Frankreich am Wissenschaftszentrum der CNRS in Gif. Als Kuru-Pionier widmet er sich weiter der Forschung an Prion-Erkrankungen.
«BSE» bei Affe und Mensch
Aktuell ist er als Herausgeber auch an neuen Untersuchungen aus Frankreich und Schottland zur verstärkten «Virulenz» des BSE-Erregers nach Sprung über die Artgrenze auf den Menschen beteiligt. Die Studie wurde in dieser Woche in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht. Bereits in den letzten Jahren hat Gajdusek an der Übertragbarkeit von BSE auf Affen geforscht - wegen der engen Verwandschaft der Primaten aufschlussreich für die Situation beim Menschen. Er stellte auch Infektionsfälle in einigen französischen Primatenzentren fest, die Affen waren mit Rindfleischkonzentraten aus England gefüttert worden. Ein weiteres Indiz für die Übertragungskette.
«Resistenz» gegen Kuru und vCJD zweifelhaft
Gibt es eine Resistenz gegen die Ansteckung durch Prionen? Bisher haben alle vCJD-Opfer eine bestimmte genetische Variante: Der Baustein an der Position 129 ihres körpereigenen Prion-Proteins ist immer die Aminosäure Methionin. Ihr Anteil an der Bevölkerung beträgt aber nur 40 Prozent. Sind die anderen 60 Prozent resistent? Untersuchungen an Kuru-Opfern der letzten Jahrzehnte sind aufschlussreich, da der Beobachtungszeitraum so viel länger ist. Opfer mit der Methionin-Variante erkrankten alle in jungen Jahren und hatten einen kurzen Krankheitsverlauf. Gajdusek stellte aber fest, dass auch Personen mit anderen genetischen Varianten an Kuru erkrankten. Diese Opfer waren alle älter. Deshalb wird bei vCJD die beunruhigende Möglichkeit einer weiteren – verzögerten - Erkrankungswelle befürchtet, die dann auch bisher «resistente» Menschen trifft.
Erreger in Asche?
Während in den frühen Tagen der Aufklärung von Kuru als Infektionskrankheit über «Langsame Viren» (slow-virus-hypothesis) spekuliert wurde, ist heute die «Prion-Hypothese» etabliert, obwohl es immer noch Zweifler und offene Fragen gibt. Ein Experiment von Gajdusek zusammen mit Kollegen offenbarte ein weiteres Rätsel: Sie verbrannten die Gehirne von mit der Prionenkrankheit Scrapie infizierten Hamstern bei 600°C, die Asche war immer noch infektiös, obwohl in sehr abgeschwächter Form. Ein provokantes Ergebnis. Aber interessant im Licht der Verbrennungspraxis BSE-infizierter Kühe und der ungelösten Frage, warum heute immer noch hunderte Kühe in England erkranken.
Vielfältige Interessen
Die Interessen Gajduseks waren nie auf Infektionskrankheiten beschränkt. Der ausgebildete Kinderarzt ist auch Experte in Genetik, Immunologie, Verhaltensforschung, hunderte von Publikationen belegen seine umfassende Neugier und Produktivität. Arbeiten über kindliche Entwicklung in «primitiven Kulturen» wurden ihm dann zum Verhängnis: Einer von vielen Jugendlichen, die er aus Mikronesien in die Staaten gebracht hatte, bezichtigte ihn sexueller Übergriffe. Trotz vehementer Einsprüche wissenschaftlicher Kollegen verlor er seinen Posten bei der amerikanischen Gesundheitsbehörde.

Für das Web ediert von Gerd Knoll