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Neuer Vorfahre des Menschen entdeckt
22. Mrz 2001 08:31

Nur wenige Monate nach dem Fund des «Millenium Menschen» haben Wissenschaftler in Kenia erneut einen unbekannten Ahnen des Menschen entdeckt.
 
NAIROBI. Mit dem Fund von über 3 Millionen Jahre alten Urmenschen-Knochen im Norden Kenias liefert ein internationales Paläontologenteam neue Erkenntnisse über die Geschichte der Menschheit. Die am Turkana-See ausgegrabenen Fossilien, die die Forscher um die kenianische Paläontologin Meave Leakey am Donnerstag auch im Wissenschaftsmagazin «Nature» (Bd. 410, S. 433) vorstellen, sollen einer bislang unbekannten Spezies menschlicher Vorfahren angehören.

Mehr in der Netzeitung:
Es handelt sich um den so genannten «Kenyanthropus platyops», den «flachgesichtigen Menschen aus Kenia». «Der Kenyanthropus beweist, dass es bereits vor 3,5 Millionen Jahren zwei Linien in der Entwicklung unserer Vorfahren gab», erklärte Leakey in Nairobi.

«Mensch» mit flachem Gesicht

«Sein Schädel wirkt äußerst primitiv, aber sein Gesicht zeigt erstaunlich menschliche Züge, nur dass es auffallend flach ist», beschreibt der Anatom Fred Spoor den bislang unbekannten «Menschen aus Kenia». Der Mitarbeiter des University College in London war selbst an den Ausgrabungen beteiligt. Sicher ist, dass der Hominide zur selben Zeit lebte wie der Australopithecus afarensis, dessen bekanntestes Exemplar die 3,2 Millionen Jahre alte Lucy ist. Ihr Skelett, das erste zusammenhängende ihrer Gattung, wurde 1974 in der nordostäthiopischen Afar-Region ausgegraben.

Seit den achtziger Jahren gingen die meisten Wissenschaftler davon aus, dass die Hominiden der vergangenen drei Millionen Jahre einer Linie entstammten. Dies scheint nun widerlegt. Zu den Funden, die das Team bereits während Ausgrabungsarbeiten vor zwei bis drei Jahren machte, gehören mehrere Knochen und ein kompletter Schädel.

Aufrechter Fleischfresser

Auffallend im Vergleich zum Australopithecus sind die kleinen Zähne des Kenyanthropus, der sich nach Meinung des Anatomen Spoor sowohl von Fleisch als auch Pflanzen ernährt haben könnte. «Möglicherweise hatten beide Spezies unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten, was ihnen das Nebeneinander ermöglicht hat.» Wie unter seinen Zeitgenossen üblich, sei der Kenyanthropus auch schon auf zwei Beinen gegangen. Dies erkennt man am Wirbelsäulenansatz.

Um ihre Funde exakt datieren zu können, untersuchten die Wissenschaftler unter anderem die Beschaffenheit des ostafrikanischen Vulkanbodens. Seine geologischen Verhältnisse geben Paläontologen ein ideales Arbeitsfeld. In den aufeinander folgenden Schichten von vulkanischer Asche und Sedimenten werden Fossilien gut konserviert.

Datierung durch Bodenschichten

«Die geologischen Schichten geben uns genauen Aufschluss über das Alter der Fossilien», erklärt Spoor. Er und die anderen Teammitglieder sind nun neugierig darauf, wie viele Linien menschlicher Vorfahren demnächst noch zu Tage treten.

Die Vorstellung des «flachgesichtigen Menschen aus Kenia» erfolgt nur wenige Monate, nachdem ein anderes Forscherteam den sechs Millionen Jahre alten «Millennium Menschen» aus den Tiefen des ostafrikanischen Grabenbruchs ans Licht holte. Er brachte die Erkenntnis, dass die Trennung der Arten zwischen Menschenaffen und Menschen nicht - wie bisher angenommen - rund vier Millionen Jahre, sondern mindestens sechs Millionen Jahre zurückliegt. (dpa)





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