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Perspektiven im All: 

Esa sucht junge Astronauten

29. Apr 2008 17:08
Die Esa sucht Astronauten
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Im kommenden Frühjahr will die Europäische Raumfahrtagentur Nachwuchskräfte einstellen. Bereits im Mai beginnt das Auswahlverfahren. Erwartet werden 10.000 und mehr Bewerbungen.

Erstmals seit mehr als 15 Jahren rekrutiert die Europäische Weltraumagentur wieder Nachwuchskräfte für bemannte Missionen im All. Das teilte der Leiter des europäischen Astronautenkorps, Gerhard Thiele, am Dienstag in Köln mit.

Das erste Auswahlverfahren soll am 19. Mai beginnen, im kommenden Frühjahr sollen dann vier neue Astronauten eingestellt werden. Thiele, sagte, er erwarte insgesamt rund 10.000 Bewerbungen und ein «breites Spektrum von Bewerbern».

Der ehemalige deutsche Astronaut Thomas Reiter sagte, das Durchschnittsalter des europäischen Astronautenkorps sei inzwischen selbst in «fast astronomische Höhen» gestiegen. Daher sei es an der Zeit, Nachwuchs für neue Aufgaben zu rekrutieren. «Das ist ein Moment, auf den wir lange gewartet haben.»

«Es war ein langer Weg»

Reiter, der insgesamt rund 350 Tage im All verbracht hat, wartete nach Bewerbungsverfahren und Training lange auf seine erste Mission. Von der Idee bis zum ersten Raumflug 1995 habe es etwa neun Jahre gedauert: «Es war ein langer Weg.» Für die neuen Astronauten könne es allerdings schneller gehen, sagte der inzwischen im Vorstand des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt sitzende Reiter.

Der Leiter des Esa-Astronautenzentrums, Thiele, betonte, mit dem Ausbau der Internationalen Raumstation (ISS) durch das Columbus-Labor habe für die europäische bemannte Raumfahrt eine neue Ära begonnen. Künftige Astronauten erwarteten Missionen zur ISS, möglicherweise auch zum Mond. Eine Landung auf dem Erdtrabanten könne man zwar nicht versprechen: «Aber das ist keine unrealistische Chance.»

Russischkenntnisse sind hilfreich

Interessenten für eine Astronautenkarriere sollten etwa 30 Jahre alt sein und einen Studienabschluss in Ingenieur- oder Naturwissenschaften oder in Medizin vorweisen können, wie Thiele sagte. Gute Englischkenntnisse seien nötig, Russischkenntnisse hilfreich.

Thiele sagte, eine Promotion werde bevorzugt, auch erfahrene Testpiloten kämen infrage. Bewerber müssen zunächst online einen Fragebogen ausfüllen und ein Attest eines Fliegerarztes einreichen.

Umfangreicher medizinischer Test

Danach folgen laut Thiele zwei psychologische Eignungsprüfungen, bei denen die Konzentrationsfähigkeit unter Stress, das logische Denkvermögen und die Merkfähigkeiten ebenso geprüft werden wie das Verhalten in der Gruppe. Die übrigbleibenden Bewerber würden bei einem ausgiebigen medizinischen Test fünf Tage lang komplett auf den Kopf gestellt, anschließend gebe es Bewerbungsgespräche. Am Ende sollen aus rund 25 geeigneten Kandidaten die neuen Astronauten ausgewählt werden.

Ob ein Deutscher unter den vier ausgewählten neuen Raumfahrern sein werde, könne man nicht voraussagen, sagte Thiel. Bewerben können sich Frauen und Männer aus allen 17 Mitgliedsstaaten der ESA.

«Gehörige Portion Sportlichkeit»

Der deutsche Astronaut Hans Schlegel rief Interessenten auf, ihre Träume zu verwirklichen und sich zu bewerben. Er sei mit seiner Bewerbung dem Wunsch gefolgt, «etwas zu tun, das viele Menschen tun wollen». Er habe gewusst, dass es wenige Plätze und viele Bewerber gebe und sei daher mit einer «gehörigen Portion Sportlichkeit» an die Sache gegangen. «Ich habe mir gesagt: Wenn es nicht klappt, habe ich es wenigstens versucht.«

Die Mühen hätten sich schließlich gelohnt, fügte Schlegel hinzu und schwärmte von seinem Job: «Das ist wirklich spannend: Die Suche nach dem Unbekannten, nach der Erkenntnis über die bisher bekannten Grenzen hinaus». Es müsse aber auch klar sein, dass die Arbeit eines Astronauten mit Risiken verbunden sei: «Das muss eine Familie auch mittragen.» (Von Nicole Lange, AP)

 
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