Alle 30 Sekunden stirbt ein Kind an der Tropen-Krankheit. Sie trifft vor allem Arme und Ungebildete. Eine UN-Initiative am Sambesi soll Aufklärung, Medikamente und Moskitonetze in sechs Länder bringen. Mit Video
George Kamwe brüllt wie am Spieß. Der Vierjährige aus dem idyllischen Hüttendorf Matongo in Sambia windet sich auf dem Schoß seiner Mutter hin und her. Von den Malaria- Ängsten, die sie aussteht, ahnt er nichts. George hat seit drei Tagen hohes Fieber.
Aber von dem «Doktor», der gerade aus einem Boot gestiegen ist, will er sich partout kein Blut für einen Malaria-Test abziehen lassen. Laite Hanzonde ist ausgebildeter Pfleger und betreut 25 Dörfer, deshalb schafft er es nur einmal im Monat nach Matonga. Die Plasmodium-Schnelltests und die neuen Anti-Malaria-Tabletten auf Artemisininbasis (ACT) hat er immer dabei.
«Roll Back Malaria»
Heute hatte es Hanzonde etwas kürzer, er kam mit dem roten Schlauchboot der Malaria-Sambesi-Expedition von Helge Bendl und Andy Leemann. Der deutsche Journalist und der Schweizer Skipper sind seit einem Monat auf dem mächtigen Sambesi-Fluss unterwegs, um für einen grenzüberschreitenden Kampf gegen Malaria zu werben. Eine 2500 Kilometer lange Mission durch sechs Länder.
Die Malaria-Sambesi-Expedition soll viel erreichen
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Im Namen der UN- gestützten Initiative «Roll Back Malaria» bringen sie Aufklärung, Medikamente und Moskitonetze. Von der Quelle des Sambesi in Angola über Namibia, Botsuana, Sambia und Simbabwe bis zur Mündung in Mosambik. «Malaria ist kontrollierbar», erklärt Bendl überzeugt.
90 Prozent sterben in Afrika
Und betont zugleich, dass es einen Bedarf an koordinierten Strategien im Kampf gegen Malaria gibt. Malaria trifft – wie so viele Krankheiten – vor allem die Armen. Weltweit infizieren sich Jahr für Jahr zwischen 350 und 500 Millionen Menschen. Mehr als eine Million überlebt die Attacke der Malaria-Parasiten auf Leber und Blut nicht. Die meisten davon in Afrika. 90 Prozent der Todesfälle registriert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf dem Schwarzen Kontinent. Besonders arg wütet die Killerkrankheit unter den Jüngsten. Alle 30 Sekunden stirbt ein Kind unter fünf Jahren.
Jährlich infizieren sich bis zu 500 Millionen Menschen
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Der wirtschaftliche Schaden ist enorm. Auf mehr als zwölf Milliarden US-Dollar wird der jährliche Produktionsausfall durch Malaria in Afrika geschätzt. Nicht zuletzt deshalb setzen die Vereinten Nationen die lebensbedrohliche Plage nun auf die Tagesordnung. «Eine Krankheit ohne Grenzen» lautet das Motto des ersten Welt-Malariatages an diesem Freitag, feierlich begangen an den weltberühmten Victoria-Wasserfällen im sambischen Ort Livingstone. Er soll eine Initialzündung für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Afrika sein, aber auch der zwischen Nord und Süd.
Zum 1. Welt-Malariatag an den Victoria-Fällen
Deutschland könnte dabei durchaus eine größere Rolle spielen, sagt Awa Marie Coll-Seck, die senegalesische Direktorin der «Roll Back Malaria»-Initiative: «Die betroffenen Länder brauchen vor allem technische Unterstützung, um überzeugende Anti-Malaria-Strategien zu entwickeln und somit Hilfsgelder aus dem Globalen UN-Fonds zu bekommen. Dabei könnte die deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) sehr nützlich sein.» Zum ersten Welt-Malariatag kommen Gesundheitsminister aus 16 afrikanischen Staaten, Hilfsorganisationen, Mediziner, Sponsoren aus der Wirtschaft.
Und natürlich legen auch die Sambesi-Abenteurer Bendl und Leemann pünktlich zu diesem historischen Datum in Livingstone an, oberhalb der Victoria-Fälle. Von hier aus steuern sie Dutzende weitere Ziele in Simbabwe und Mosambik an, bevor sie voraussichtlich Ende Mai in Mosambik die Sambesi-Mündung am Indischen Ozean erreichen. (Cathrin Hennicke, dpa)