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Zum 150. Geburtstag von Max Planck: 

Lasst die Quanten richtig springen!

23. Apr 2008 13:37
Das Geburtstagskind Foto: dpa
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Max Planck wäre heute 150 Jahre alt geworden. Die Netzeitung findet es schade, dass der Physiker nicht mehr miterlebt, welche dummdeutsche Karriere sein Quantensprung inzwischen gemacht hat.

Zum heutigen Tage jährt sich der Geburtstag eines der bedeutenden Physikers unserer Zeit: Max Planck wäre 150 Jahre alt geworden. Nun ist dem seeligen Max aber schon zu Lebzeiten und auch danach soviel Ehr zuteil geworden und das von ihm eingeführte Wirkungsquantum samt Quantenphysik ein so trockenes Thema, dass dieser Tag zum Anlass genommen werden soll, mal wieder gegen eine der hartnäckigsten Verhunzungen im deutschen Sprachgebrauch gleich nach dem Deppenapostroph anzuschreiben: den Quantensprung.

Im unreflektierten Gebrauch einen qualitativ enormen Fortschritt meinend, hält sich der Quantensprung hartnäckig und trotzt seit über 20 Jahren selbst medialen Ermahnungen einer ehrwürdigen Wochenzeitung , um gar als Firmenname für so genannte Eventagenturen und natürlich auch Beratungsunternehmen Verwertung zu finden.

Glücklicherweise geben aber die schier unendlichen Weiten des Internets auch genervten Physikern und Sprachschützern den Raum, sich mit dem Unfug des dummdeutschen Quantensprungs zu beschäftigen und seinen Gebrauch ins buchstäblich richtige Licht zu rücken: «Für Milliarden von Milliarden von Atomen des Universums ist der Quantensprung etwas ganz Normales», schreibt beispielsweise Michael Komma auf seiner Internetseite und liefert auch gleich einen Sprung in Zeitlupe mit.

Ein Quant ist die kleinste mögliche Energiemenge (kleiner ist nicht mal das Quäntchen). Und wenn selbige Menge hüpft, ist das so was von nicht wahrnehmbar, dass es geradezu grotesk ist, mit dem Begriff ganz gegenteilig ein großes Ding zu meinen. Woher kommt dieser Unsinn?

Die oben erwähnte «Zeit» vermutete schon 1996 hinter dem Gebrach eine von der Werbung vorgegebene «Vorliebe für bedeutungsschwere Worthülsen». Offenbar errege im Zeitalter der Superlative ein gewöhnlicher Sprung keine Aufmerksamkeit mehr, da müsse dann schon der Quantensprung als eine Art «Supersprung» herhalten, mutmaßte der Autor seinerzeit und forderte die Germanisten des Landes auf, über die «Ausbreitungsgeschichte des Quantensprungs in der deutschen Alltagssprache unter besonderer Berücksichtigung der Rückwirkungen auf die theoretische Physik» zu promovieren. Gefolgt ist dem bis heute leider niemand.

Der Sprachpfleger und pensionierte Sportreporter Ulrich Werner hat dagegen auf seiner Internetseite den Duden für die Reproduktion des Sprachunsinns in Verdacht. Dieser hatte in seine Ausgabe von 1999 die alltagssprachliche Bedeutung des Quantensprunges mit aufgenommen. Doch bereits 1985 warnte «Der Sprachdienst» davor, dass der Quantensprung missbräuchlich umgehe und verwies liebenswerterweise darauf, dass Quanten ja umgangssprachlich auch große Schuhe seien und man damit auch große Sprünge machen könne. Der Quantensprung im physikalischen Sinne sei dagegen erstmals in einem Aufsatz von Max Born aus dem Jahre 1924 aufgetaucht.

Einen möglichen Ursprung der sekundären Bedeutung vermutet das Zentralorgan der Gesellschaft für deutsche Sprache im Englischen: quantum bedeutet dort «große Menge» und im amerikanischen Englisch existiert es sogar als Adjektiv im Sinne von «groß» oder «bedeutend». Ein quantum leap lasse sich also ganz wörtlich als «großer Sprung» deuten und habe so in der Rückübersetzung ins Deutsche seine Karriere als Modewort begonnen.

In diesem Sinne: Happy Geburtstag, Max!

 
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