Kein CO2-Ausstoß:
Ökostadt soll Emirate sauberer machen
21.04.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Ein Blick auf Dubai erklärt, warum. Fast jedes Gebäude auch weitläufige Einkaufszentren oder riesige Villen verfügt über Klimaanlagen. Sie gelten in dem Land mit heißen Wintern und glühend heißen Sommern als unabdingbar. Extravaganzen wie Swimmingpools mit gekühltem Wasser, eine Wintersporthalle mit einer künstlichen Skiabfahrt bei fast 50 Grad Außentemperatur und ein aus Eis bestehendes Restaurant treiben die Stromrechnung in die Höhe. Übliche Transportmittel sind Geländewagen oder spritfressende Hummer. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht, selbst Bürgersteige fehlen in vielen Teilen der Stadt.
Die Emirate mit fünf Millionen Einwohnern, die meisten von ihnen ausländische Gastarbeiter, haben auch einen hohen «Kohlendioxid-Fußabdruck»: 9,06 globale Hektar sind nötig, um den jährlichen CO2-Ausstoß jedes einzelnen zu absorbieren. Der Wert für die USA liegt bei 5,66, der weltweite Durchschnitt bei 1,7.
Masdar-City, wo die Bauvorbereitungen im Februar begannen, soll dagegen völlig ohne Kohlendioxid-Ausstoß auskommen. Autos sollen dort verboten sein, dafür ist eine Straßenbahn geplant, die die Stadt auch mit dem nahe gelegenen Abu Dhabi verbindet. Nahrungsmittel sollen in der Gegend organisch angebaut werden, der Müll recycelt und Abwasser wiederverwendet werden. Für die Stromgewinnung ist zum größten Teil Solarkraft geplant, das Wasser soll aus einer solarbetriebenen Entsalzungsanlage kommen.
Einem Vertrag mit der Regierung der Emirate zufolge begleitet der WWF das Projekt um sicherzustellen, dass der hohe Anspruch erreicht wird. «Das ist ein rigoroser Prozess, der letztlich zeigen wird, ob Masdar tatsächlich nachhaltig ist oder das nur behauptet», sagt Eduardo Gonçalves, ein WWF-Sprecher in London. Habib al Schuwaichat, Professor für Stadtplanung und nachhaltige Entwicklung an der saudi-arabischen König-Fahd-Universität für Petroleum und Mineralien, sagt, die Öko-Stadt von Abu Dhabi scheine eine gute Initiative zu sein, doch dürfe sie nicht isoliert vom Rest des Landes bleiben. «Man hört viel über nachhaltige Entwicklung, aber ehrlich gesagt, sehe ich sie vor Ort nicht.» Echte Bemühungen um den Umweltschutz in einer Zeit eines beispiellosen Baubooms in den Golfstaaten müssten erst noch ins Bewusstsein der Entscheidungsträger vordringen, sagt Schuwaichat.
Im vergangenen Jahr unterzeichneten die Emirate als erste Regierung eine Vereinbarung mit dem WWF, um den ökologischen Fußabdruck des Landes in den kommenden drei Jahren mit Expertenhilfe zu untersuchen und ihn auf ein umweltverträgliches Maß zurückzuführen. «Masdar ist entscheidend für unsere Strategie» sagt Gonçalves. Die Lebensführung der Menschen in den Emiraten sei absolut nicht nachhaltig. «Es gibt keinen besseren Platz, um ein Beispiel zu setzen und zu zeigen, dass ein ökologisch freundlicher Lebensstil nicht nur besser ist, sondern auch kommerziell erfolgreich.» (Von Barbara Surk, AP)

