Erste Anlage in Sachsen:
Neuer Biosprit wird aus Holz gewonnen
17.04.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Zunächst sei die Produktion von jährlich 18 000 Millionen Liter Biosprit geplant, sagt die Sprecherin des Unternehmens Choren, Ines Bilas. Ein Konzept für eine Anlage mit einer Million Tonnen liege aber schon bereit. Die gesamte Produktion sei bereits langfristig an den Ölkonzern Shell verkauft.
Das Verfahren heißt BtL-Technik, das steht für Biomass-to-Liquid oder Biomasse zu Flüssigkeit. Der Vorteil: Im Gegensatz zum Biosprit der 1. Generation können viel mehr Stoffe genutzt werden - die gesamten Pflanzen, Bioabfall und auch Holz. Somit gibt es zunächst keine direkte Konkurrenz zu Nahrungsmitteln, wie Mais, der derzeit auf den Tellern und in den Tanks landet. Dennoch sind Experten noch skeptisch, ob damit nun eine gute Alternative gefunden ist. Sollten Holzreste und andere Bioabfälle nicht ausreichen, braucht auch BtL- Sprit Anbaufläche etwa für Weiden, Pappeln oder Robinien - und ohnehin Energie zur Produktion.
Je nach Bodenqualität und Wasserverfügbarkeit werden zwischen 2000 bis 5000 Liter Diesel pro Hektar und Jahr erzeugt. Die Bäume könnten auch auf Flächen wachsen, die für Nahrungspflanzen wegen Staunässe oder Schwermetallen schlecht geeignet seien.
Auch dabei entstehen Treibhausgase und auch die Wirtschaftlichkeit wird noch untersucht. Der Wissenschaftliche Beirat des Bundeslandwirtschaftsministeriums warnt in einem Gutachten vor dem ungeprüften breiten Einsatz von BtL-Kraftstoffen: «Für kleine Produktionsmengen lassen sich niedrige Produktionskosten errechnen, wenn von der Verwendung von Waldrestholz oder Stroh ausgegangen wird.»
Die Umweltauswirkungen von BtL-Sprit hat das Institut für Energie- und Umweltforschung (IFEU) in Heidelberg untersucht. Die Ökobilanz insgesamt ist demnach besser als die der meisten herkömmlichem Biosprit-Arten, etwas aus Raps oder Soja. Mit Blick auf Energie und Treibhausgase bestehe aber kein grundsätzlicher Vorteil für BtL, meint IFEU-Experte Nils Rettenmaier, es gäbe sogar herkömmliche Biosprit-Arten, die besser als BtL abschneiden. «Die Erschließung der Reststoffe ist sicherlich sinnvoll, allerdings gibt es neben der BtL- Produktion auch andere, ökologisch vorteilhaftere Arten der Nutzung.» In vielen Fällen sei es besser, Biomasse ohne aufwendige Umwandlung gleich zur Strom- und Wärmeproduktion zu nutzen. So könnten wesentlich mehr Energie und Treibhausgase eingespart werden. (Von Simone Humml, dpa)

