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Erste Anlage in Sachsen: 

Neuer Biosprit wird aus Holz gewonnen

17. Apr 2008 14:28
Merkel bei der Einweihung der neuen Anlage in Sachse
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Biodiesel steht in der Kritik, weil Mais und Weizen verbrannt werden, statt auf dem Tisch zu landen. Die zweite Generation Biosprit wird aus Holz gewonnen. Doch auch hier ist die Umweltbilanz nicht einwandfrei.

Eine weltweit einzigartige Biospritquelle soll künftig in Sachsen sprudeln. Der Biokraftstoff der zweiten Generation wird nicht aus Nahrungsmitteln wie Mais, Weizen oder Palmöl gewonnen, sondern beispielsweise aus Bäumen und Holzabfällen.

Am Donnerstag startete das Unternehmen Choren im sächsischen Freiberg das weltweit erste kommerzielle Werk für Biosprit der 2. Generation. Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) waren auch Vertreter der Choren-Mitgesellschaftler Shell, Daimler und Volkswagen angereist. Nun werden die mehr als 100 Teilsysteme der Anlage schrittweise in Betrieb genommen, so dass es noch einige Monate dauert, bis der erste Tropfen Biodiesel aus den Rohren fließt.

Zunächst sei die Produktion von jährlich 18 000 Millionen Liter Biosprit geplant, sagt die Sprecherin des Unternehmens Choren, Ines Bilas. Ein Konzept für eine Anlage mit einer Million Tonnen liege aber schon bereit. Die gesamte Produktion sei bereits langfristig an den Ölkonzern Shell verkauft.

Das Verfahren heißt BtL-Technik, das steht für Biomass-to-Liquid oder Biomasse zu Flüssigkeit. Der Vorteil: Im Gegensatz zum Biosprit der 1. Generation können viel mehr Stoffe genutzt werden - die gesamten Pflanzen, Bioabfall und auch Holz. Somit gibt es zunächst keine direkte Konkurrenz zu Nahrungsmitteln, wie Mais, der derzeit auf den Tellern und in den Tanks landet. Dennoch sind Experten noch skeptisch, ob damit nun eine gute Alternative gefunden ist. Sollten Holzreste und andere Bioabfälle nicht ausreichen, braucht auch BtL- Sprit Anbaufläche etwa für Weiden, Pappeln oder Robinien - und ohnehin Energie zur Produktion.

Bäume wachsen auch auf schlechtem Boden

In die neue Anlage werden laut Choren in der Anfangszeit pro Jahr 67 500 Tonnen Holz gesteckt - je zur Hälfte Waldholz und unbelastetes Recyclingholz. «Holzhackschnitzel aus landwirtschaftlichen Schnellwuchsplantagen sollen jedoch in den kommenden Jahren einen zunehmenden Rohstoffanteil abdecken», erläutert Michael Deutmeyer, Choren-Verantwortlicher für Rohstoffstrategie. Eine erste Fläche in der Region Freiberg sei im vergangenen Jahr mit Weiden bepflanzt worden. In Mecklenburg-Vorpommern bewirtschafte Choren seit drei Jahren eine 20-Hektar-Plantage.

Je nach Bodenqualität und Wasserverfügbarkeit werden zwischen 2000 bis 5000 Liter Diesel pro Hektar und Jahr erzeugt. Die Bäume könnten auch auf Flächen wachsen, die für Nahrungspflanzen wegen Staunässe oder Schwermetallen schlecht geeignet seien.

Bei der Umwandlung in Sprit entsteht CO2

Um aus Holzhackschnitzeln Sprit zu machen, ist erstmal Energie nötig: Die Holzschnitzel werden zunächst mit Luft oder Sauerstoff bei 400 bis 500 Grad Celsius in teerhaltiges Gas und festen Kohlenstoff (Biokoks) zerlegt. Nach weiteren Prozessen wird der zu Staub gemahlene Koks in das Gas eingeblasen wodurch ein Synthesegas entsteht, das bereits in einem Heizkraftwerk genutzt werden kann. Mit der sogenannten Fischer-Tropsch-Synthese aus den 1920er Jahren wird es zu Diesel umgewandelt.

Auch dabei entstehen Treibhausgase und auch die Wirtschaftlichkeit wird noch untersucht. Der Wissenschaftliche Beirat des Bundeslandwirtschaftsministeriums warnt in einem Gutachten vor dem ungeprüften breiten Einsatz von BtL-Kraftstoffen: «Für kleine Produktionsmengen lassen sich niedrige Produktionskosten errechnen, wenn von der Verwendung von Waldrestholz oder Stroh ausgegangen wird.»

Es gibt ökologisch vorteilhaftere Möglichkeiten

Der Beirat fordert, den Großeinsatz des BtL-Sprits erst wirtschaftlich durchzurechnen, bevor dies Verfahren politisch unterstützt wird. Wirtschaftlicher sei in jedem Fall Solarenergie aus den Sonnengürteln der Erde.

Die Umweltauswirkungen von BtL-Sprit hat das Institut für Energie- und Umweltforschung (IFEU) in Heidelberg untersucht. Die Ökobilanz insgesamt ist demnach besser als die der meisten herkömmlichem Biosprit-Arten, etwas aus Raps oder Soja. Mit Blick auf Energie und Treibhausgase bestehe aber kein grundsätzlicher Vorteil für BtL, meint IFEU-Experte Nils Rettenmaier, es gäbe sogar herkömmliche Biosprit-Arten, die besser als BtL abschneiden. «Die Erschließung der Reststoffe ist sicherlich sinnvoll, allerdings gibt es neben der BtL- Produktion auch andere, ökologisch vorteilhaftere Arten der Nutzung.» In vielen Fällen sei es besser, Biomasse ohne aufwendige Umwandlung gleich zur Strom- und Wärmeproduktion zu nutzen. So könnten wesentlich mehr Energie und Treibhausgase eingespart werden. (Von Simone Humml, dpa)

 
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