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Forschung mit Stammzellen: 

Embryonen aus Mensch und Kuh erzeugt

02. Apr 2008 11:10, ergänzt 15:47
Entnahme von Erbgut aus einer Eizelle
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Im britischen Newcastle haben Forscher erstmals menschliches Erbgut in Eizellen von Kühen eingepflanzt. Deutsche Forscher sind entsetzt und sehen keinen Sinn in den Versuchen.

Britische Forscher haben zum ersten Mal Embryonen aus menschlichem Erbgut und Eizellen von Tieren geschaffen. Die Embryonen aus menschlicher DNA, die aus Hautzellen gewonnen wurde, und Eizellen von Kühen seien allerdings nach drei Tagen zerstört worden, teilte die Universität von Newcastle am Mittwoch mit.

Mit dem Experiment wollen die Wissenschaftler herausfinden, ob sich Chimären-Stammzellen für die Behandlung schwerer Krankheiten eignen. Tierische Eizellen stünden im Gegensatz zu menschlichen unbegrenzt zur Verfügung, sagte John Burn, der Leiter des Instituts für Humangenetik der Universität von Newcastle. Er bezeichnete das Experiment als wichtigen Erfolg für die Stammzellenforschung.

Für das Experiment unter Leitung des Stammzellenforschers Lyle Armstrong hatte die britische Embryologie-Behörde HFA eine Sondergenehmigung erteilt. Der Entscheidung war eine groß angelegte Informationskampagne für die britischen Bürger vorausgegangen. Sie konnten sich in einem zehnseitigen Dokument über die Technik des Klonens, Erfolgsaussichten und Anwendungsmöglichkeiten sowie rechtliche und ethische Bedenken informieren. Bei einem anschließenden Votum sprachen sich 61 Prozent der beteiligten Bürger für die Züchtung hybrider Zellen aus.

Keine ethischen Bedenken

Institutsleiters Burn sieht in dem Verfahren keine ethischen Bedenken. Es könne keine Rede davon sein, dass die Wissenschaftler «Monster schaffen». Bei den Embryonen handle es sich lediglich um einen Zellhaufen in einem Laborexperiment, sagte er. Diese Embryonen würden niemals transplantiert werden. Nach Angaben des Forschers sind die entstandenen Embryonen zu 99 Prozent menschlich. In der Zellflüssigkeit der Eizelle bleibe nur ein kleiner Rest tierischer DNS zurück, der für die Forschungszwecke vernachlässigbar sei, argumentieren die Wissenschaftler.

«Mit dem Versuch haben wir vorläufige Daten gewonnen, die Erfolg versprechend sind», ergänzte Burn. Nachdem die jetzt erzeugten Chimären-Embryonen drei Tage am Leben gehalten wurden, wollen die Forscher in Newcastle in einem weiteren Versuch solche Hybriden zunächst sechs Tage leben lassen. Sollten auch diese Versuche erfolgreich verlaufen, könnten nach den Vorstellungen der Forscher auch Embryonen aus Mensch und Kaninchen, Ziegen und anderen Tieren entstehen. Ähnliche Experimente wollen auch Stammzellenforscher am King's College in London unternehmen. Auch sie haben dafür bereits eine Genehmigung der Behörden erhalten.

Ethisch und moralisch nicht nachvollziehbar

Der deutsche Stammzellenforscher Wolfgang-Michael Franz von der Universität München sieht in den jüngsten britischen Versuchen keinerlei Sinn. «Ich bin entsetzt», sagte er der dpa. «Ich wüsste nicht, wofür diese Zellen relevant sind.» Er könne diese Arbeit ethisch und moralisch nicht mehr nachvollziehen, ergänzte er.

Bereits 1998 hatten US-Forscher der Biotech-Firma ACT in Worcester und der Universität Wisconsin nach eigenen Angaben menschliche Hautzellen mit den Eizellen von Kühen verschmolzen und aus dem entstandenen Embryo Stammzellen gewonnen. Südkoreanische Forscher wollen das Experiment 2002 wiederholt haben. Chinesische Forscher haben 2003 eine Arbeit über das Herstellen eines Embryos aus Kaninchen-Eizellen und menschlichem Erbgut im Fachjournal «Cell Research» veröffentlicht.

Gesetzliche Regelung steht noch aus

Für das Experiment unter Leitung des Stammzellenforschers Lyle Armstrong hatte die britische Embryologie-Behörde HFA eine Sondergenehmigung erteilt. Der Entscheidung war eine groß angelegte Informationskampagne für die britischen Bürger vorausgegangen. Sie konnten sich in einem zehnseitigen Dokument über die Technik des Klonens, Erfolgsaussichten und Anwendungsmöglichkeiten sowie rechtliche und ethische Bedenken informieren. Bei einem anschließenden Votum sprachen sich 61 Prozent der beteiligten Bürger für die Züchtung hybrider Zellen aus.

Die Regierung in London bereitet derzeit ein neues Gesetz zur Stammzellenforschung vor. Mit dem Gesetz, über das frühestens im Mai abgestimmt werden soll, soll auch die Erzeugung von Chimären-Embryonen zu Forschungszwecken generell erlaubt und geregelt werden. Gegen dieses Vorhaben protestierte neben anderen der Kardinal der Schottischen Katholischen Kirche Keith O'Brien. Es stelle eine «monströse Attacke auf die Menschenrechte, auf die menschliche Würde und auf das menschliche Leben dar».

Die britische Gesellschaft für den Schutz ungeborener Kinder sprach angesichts der Schaffung des so genanten Hybrid-Embryos aus Mensch und Kuh von einem «Desaster». Der Labour-Abgeordnete und Vorsitzende der parteiübergreifenden parlamentarischen Gruppe «Pro Life», Jom Dobbin, erklärte: «Die bewusste Verwischung der Grenzen zwischen Menschen und anderen Spezies ist ein Anschlag auf das Herzstück dessen, was uns zu Menschen macht». (nz/dpa)

 
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