Warum sich die Evolution des Lebens verzögerte:
Zwei Milliarden Jahre Verspätung
27.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Die Erde, der Blaue Planet
Foto: Nasa-JPL
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Evolution von tierischem Leben auf der Erde wurde fast zwei Milliarden Jahre aufgehalten. Chemische Stoffe in den Tiefen des Ur-Ozeans könnten der Schlüssel sein.
Wissenschaftler untersuchten unter der Federführung von Timothy Lyons von der University of California das Vorkommen des Schwermetalles Molybdän in Schwarzem Schiefer. Als auf dem Meeresboden entstandenes Sedimentationsgestein, enthält Schiefer viel organisches Material.
Unterschiedliche Molybdän-KonzentrationenDie Menge an Molybdän gab den Forschern Auskunft über die Verfügbarkeit des Schwermetalls zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Erdgeschichte, berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Nature. Molybdän ist ein lebenswichtiges Spurenelement für die Organismen, die für die Produktion von atmosphärischem und ozeanischem Sauerstoff verantwortlich sind.
Damit eine schnellere Evolution der Lebewesen und deren Verbreitung an Land möglich wurde, musste der Anteil des Sauerstoffs in der Atmosphäre mindestens auf einem Niveau zwischen einem und zehn Prozent des heutigen Wertes bewegen.
Oxygenierung wesentlich später«Jahrzehnte lang wurde angenommen, dass sich der Sauerstoff im Ozean verteilte, kurz nachdem sich vor etwa 2,4 Milliarden Jahren der atmosphärischer Sauerstoff angereichert hatte.», erklärt Dr. Simon Poulton, von der Universität von Newcastle.
«Diese Studie kommt zu dem Schluss, dass die Anreicherung des Meerwassers mit Sauerstoff (Oxygenierung) wesentlich später stattgefunden hat. Weiterhin scheint es, dass die Verfügbarkeit von Molybdän eine wichtige Rolle in der Evolution von tierischem Leben gespielt hat.»
Geringe ArtenviefaltDie primitiven einzelligen Lebensformen wiesen vor 2 Milliarden Jahren allerdings nur eine sehr geringe Artenvielfalt auf. Der Molybdän-Mangel könnten einen negativen Einfluss auf die Evolutionsgeschwindigkeit der frühen Eukarioten gehabt haben - unseren einzelligen Vorfahren.
«Der Mangel an Molybdän könnte die Entwicklung komplexer Lebensformen für fast zwei Milliarden Jahre verzögert haben.», vermutet der Projektleiter Timothy Lyons.
Wichtigster limitierenden FaktorLaut den Forschern, hat die Oxygenierung der Erde in zwei großen Schritten stattgefunden hat. Vor etwa 2,4 Milliarden Jahren waren nur die oberflächennahen Teile des Ozeans mit Sauerstoff angereichert, in der Tiefe herrschte eine nahezu völlige Sauerstoffarmut. Erst vor 600 Millionen Jahren durchmischte sich dann der ganze Ozean mit dem lebenswichtigen Gas und die Evolution des tierischen Lebens nahm an Fahrt auf. Das Schwermetall könnte also den wesentlichen limitierenden Faktor in der Evolution darstellen. (nz)