Bevorstehender Weltwassertag:
UN erinnert an weltweiten Wassermangel
20. Mrz 2008 15:26
 |  Viel kostbarer als es scheint: Trinkwasser | Foto: dpa |
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Sauberes Trinkwasser aus der Leitung ist in vielen Gegenden der Welt ein fast schon luxuriöses Gut. Hierzulande fließt es zwar reichlich, es ist aber immer stärker mit Schmutz und Rückständen von Arzneien belastet.
Die Vereinten Nationen haben eine bessere Wasserversorgung und mehr sanitäre Anlagen für Milliarden Bedürftige angemahnt. Vor dem Weltwassertag am Samstag berichtete das Kinderhilfswerk Unicef, dass weltweit 1,1 Milliarden Menschen ohne ausreichend sauberes Wasser auskommen müssen. Rund 2,6 Milliarden Menschen lebten zudem ohne oder mit zu wenigen Toiletten; das sind gut 40 Prozent der Weltbevölkerung.
«Wasser ist Leben - das sieht jeder sofort ein», sagte Unicef-Schirmherrin Eva Luise Köhler. Doch auch ordentliche Sanitäranlagen und Abwassersysteme seien überlebenswichtig für Kinder und verdienten «oberste Priorität», fügte die Frau des Bundespräsidenten hinzu. Verunreinigtes Wasser und mangelnde Hygiene zählen laut Unicef zu den Hauptursachen für die hohe Kindersterblichkeit in vielen Entwicklungsländern.
Tödliche Durchfallerkrankungen
So führten Durchfallerkrankungen jährlich zum Tod von 1,8 Millionen Menschen, berichtete das Kinderhilfswerk. Bei Kindern unter fünf Jahren seien sie nach Lungenentzündungen die zweithäufigste Todesursache. Jeden Tag sterben demnach 5.000 Kinder, weil sie unter unhygienischen Bedingungen und ohne ausreichende sanitäre Einrichtungen leben müssen. Die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag, Nicole Maisch, verlangte, die verheerenden Abwasserprobleme in den Entwicklungsländern müssten endlich gelöst werden. «Das kann nur gelingen, wenn die Bundesregierung die zugesagten Entwicklungshilfebeiträge zahlt und die Länder selbst ihr Missmanagement beenden.» Aber auch in Deutschland gebe es erhebliche Wasserprobleme.
Verschmutzung durch Arzneimittel
«Mehr als die Hälfte des Grundwassers und der Flüsse in Deutschland haben keine gute Qualität und können ohne aufwendige Reinigung nicht genutzt werden. Denn sie werden jährlich mit Arzneimittelrückständen und mehr als 500.000 Tonnen Schadstoffen belastet», klagte sie. Die Regierung interessiere sich weder für das wahre Ausmaß der Wasserverschmutzung, noch für die Verhinderung weiterer Schadstoffeinleitung in das Grundwasser. Hüseyin Aydin von der Linksfraktion erklärte: «Der Zugang zu Wasser ist ein Menschenrecht und Teil des Menschenrechtpakts für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, den auch Deutschland unterzeichnet hat. Es ist unteilbar mit dem Recht auf sanitäre Grundversorgung verbunden.» Von dem UN-Millenniumsziel, die Anzahl der Menschen ohne Zugang zu Wasser und Abwasserentsorgung zu halbieren, sei die Staatengemeinschaft aber weit entfernt.
Warnung vor Liberalisierung
Der Städte- und Gemeindebund vor einer Liberalisierung des deutschen Wassermarkts gewarnt. «Fragen der Trinkwasserqualität, der Verfügbarkeit von Leitungsnetzen und die Transportfähigkeit sind bei Wasser völlig anders zu bewerten als etwa im Bereich der Stromwirtschaft», erklärte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg. Landsberg berichtete, dass die über 6000 überwiegend kommunalen Unternehmen im Bereich der Wasserversorgung seit 1990 mehr als 35 Milliarden Euro in die Erhaltung, Modernisierung und den weiteren Ausbau der Wasserversorgungsanlagen investiert haben. Die Wasserversorgung und die Abwasserentsorgung in Deutschland habe im internationalen Vergleich ein Spitzenniveau erreicht. «Leitungswasser kann in Deutschland zu jeder Zeit und an jedem Ort bedenkenlos getrunken werden», erklärte Landsberg. (AP)