17.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Die "HMAS Sydney"
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Marine-Kreuzer «HMAS Sydney» wurde im Zweiten Weltkrieg von Deutschen beschossen und sank mit 645 Mann an Bord. Jetzt wurde das Wrack vor der Küste Australiens entdeckt. Der Fund kann helfen, die Geschichte zu rekonstruieren.
Wracksucher haben vor Australien die Überreste des Marine-Kreuzers «HMAS Sydney» entdeckt, der 1941 nach deutschem Beschuss mit 645 Mann an Bord gesunken war. Der Verlust des Kriegsschiffes war eine Tragödie, die in Australien ein tiefes Trauma hinterließ.
Die Regierung hofft nach 66 Jahren jetzt auf neue Erkenntnisse über die Geschehnisse, die zum Untergang führten. «Was die Marine und unsere Geschichte angeht, ist dies ohne Zweifel der wichtigste Fund aller Zeiten», sagte Les Dwyer, Sprecher des Marineverbandes, am Montag. Keine zehn Kilometer entfernt war bereits das Wrack des ebenfalls gesunkenen deutschen Hilfskreuzers «Kormoran» gefunden worden. 317 ihrer 397 Seeleute überlebten und kamen in Kriegsgefangenschaft.
Die beiden Wracks liegen rund 240 Kilometer vor der Westküste in etwa 2500 Metern Tiefe. Ferngesteuerte Kameras sollen in Kürze Aufnahmen machen. Die einzige Beschreibung über den Untergang der «Sydney» stammt von den deutschen Überlebenden, die in Australien in Kriegsgefangenschaft kamen. Ihr Urteil, dass deren Kapitän Joseph Burnett inkompetent gewesen sei, ist für die Australier bis heute schwer hinzunehmen. «Es wird eine Zeit dauern, bis wir genau wissen, was da vor gut 66 Jahren passiert ist», sagte Vizeadmiral Russ Shalders.
«Die Australier werden einsehen müssen, dass der Schuldige am Untergang Kapitän Burnett war», hatte Ludwig Ernst, einer der letzten Überlebenden, vor Jahren australischen Zeitungen gesagt. Die als niederländischer Frachter getarnte «Kormoran» war der Aufforderung der «Sydney» nach Identifizierung so lange nicht nachgekommen, bis das australische Schiff in Reichweite ihrer Torpedorohre war. Dann hisste sie die deutsche Kriegsflagge und schoss aus allen Rohren.
Schallmessung unter WasserDie Bilder aus der Tiefe des Meeres sollen Aufschluss darüber geben, ob die deutschen Seeleute die Wahrheit sagten. Nach ersten Sonaruntersuchungen stimmten deren Angaben, sagte der bekannte Wracksucher David Mearns, der bei der Expedition dabei war. Ein 25 Meter langes fehlendes Stück im Bug der «Sydney» stimme mit den Berichten der Deutschen über einen Torpedoeinschlag überein.
Auch das Wrack der «Kormoran» sieht nach Angaben von Mearns nach den Sonaruntersuchungen so aus, wie nach den Berichten der Überlebenden erwartet. «Das Schiff ist nach einer katastrophalen Explosion gesunken, bei der die 320 Minen in den Frachträumen vier, fünf und sechs detonierten», sagte er. Die Überlebenden hatten angegeben, dass Kapitän Detmers nach schweren Schäden die Selbstzerstörung anordnete, damit das Schiff nicht dem damaligen Feind in die Hände fiel. Die beiden Wracks werden nicht gehoben, sagte ein Sprecher der Stiftung, die die Suche Ende Februar erneut aufgenommen hatte. Das Parlament werde ein Gesetz durchbringen, das das Tauchen in dem Gebiet verbietet. (dpa)