10.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Ein Exemplar der weltweit ersten implantierbaren Sehprothese
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Bislang war es Propheten vorbehalten, Blinde wieder sehend zu machen. Jetzt haben deutsche Forscher erstmals ein Augenimplantat getestet, das vielen Sehbehinderten das Augenlicht ohne ein Wunder wiedergeben könnte.
Ein neuartiges Augenimplantat soll künftig blinden Menschen das Sehvermögen teilweise zurückgeben. Deutsche Forscher haben die weltweit erste Sehprothese entwickelt, die vollständig ins Auge eingepflanzt wird und ohne Kabelverbindungen nach außen auskommt.
Bisher wurde der Prototyp an sechs an Retinitis pigmentosa - dem erblichen Tunnelblick - erblindeten Patienten getestet, wie der Direktor der Aachener Universitäts-Augenklinik, Peter Walter, am Montag berichtete.
Die Testpersonen konnten den Angaben zufolge anschließend Lichtpunkte und Linien unterscheiden. Bei Retinitis pigmentosa schwindet die Sehfähigkeit aufgrund des Absterbens von Netzhautzellen stetig bis zur Erblindung. Allerdings bleibt in der Regel ein Teil der Nervenzellen intakt. Hier können Sehprothesen ansetzen. Allein in Deutschland leiden rund 15.000 Menschen an der Augenkrankheit.
Mini-Kamera im BrillengestellBei der neuen Sehprothese wird über eine Mini-Kamera im Brillengestell ein Bild aufgefangen, das drahtlos an eine im Auge implantierte Kunstlinse übertragen und dann auf die Reizelektroden auf der Netzhaut weitergeleitet wird. Nach Angaben Walters soll in zwei bis drei Jahren ein marktreifes Produkt entwickelt sein, das Blinden ein «nutzbares Sehvermögen, das den Alltag erleichtert,» zurückgebe.
Patienten sollten mit der Sehprothese Kontrastkanten und große Hindernisse erkennen können, erklärte der Mediziner. Dafür müsse die Zahl der bisher 25 Elektroden auf 200 bis 400 erhöht werden. Lesen oder Gesichter unterscheiden werde mit dem Implantat allerdings nicht möglich sein. Auch sei es nicht für blinde Patienten geeignet, bei denen der Sehnerv stark geschädigt sei. (AP)