Raumtransporter «Jules Verne»:
Speisekammer und Müllschlucker im All
08.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Hauptaufgabe des «Automatik Transport Vehicle» (ATV) ist die Versorgung der ISS-Besatzung. An Bord sind rund sechs Tonnen Wasser, Nahrung, Treibstoff und Experimentieranlagen. Ein Crewmitglied braucht jährlich 5,3 Tonnen flüssigen, gasförmigen und festen Nachschub um auf der Weltraumstation zu überleben. Wasser nimmt dabei den größten Posten ein. Für die momentan dreiköpfige Besatzung der ISS beträgt der Jahresbedarf aller Nachschubgüter etwa 16 Tonnen.
Bis August wird «Jules Verne» dann mit rund sechs Tonnen Müll beladen und zur Erde zurückgeschickt, wo er in der Atmosphäre verglühen wird: der komlizierteste und teuerste «Müllschlucker» der Welt. 1,3 Milliarden Euro kostete die Esa der neue Weltraumfrachter, der maßgeblich bei EADS Astrium in Bremen entwickelt und gebaut wurde. Hier entstand auch das Weltraumlabor «Columbus». Das Modul dockte im Januar an die ISS an und hat inzwischen seine Arbeit aufgenommen.
Nach Angabe der Esa sind bisher vier Nachfolger der «Jules Vernes» bestellt, die bis 2014 jeweils neun Tonnen Nachschub zur ISS bringen sollen. Die Raumfahrtagentur hält aber auch Nachbestellungen aus den USA für möglich, wenn die führende Nation in der Weltraumforschung ihre Raumfähren einmottet.
Was dann folgt, beschreibt Programm-Manager John Ellwood als einen «anmutigen Tanz eines verliebten Paares»: Sehr langsam wird sich der Transporter der Raumstation nähern, automatisch gesteuert von Radar, Lasersensoren und Satellitendaten. Die Besatzung der ISS kann den Anflug des weißen Raumtransporters vom Fenster aus nur beobachten, nicht aber steuern: Im Fall eines drohenden Zusammenstoßes gibt es lediglich einen roten Knopf, der ein automatisches Abstandsmanöver einleitet.
Die Welt blickt diesmal also nicht nach Cape Canaveral sondern zum europäischen Weltraumbahnhof Kourou. Und auch aus dem All wird die Besatzung der ISS gespannt verfolgen, ob ihre fliegende Speisekammer den Weg in die Schwerelosigkeit schafft. (dpa)
Für das Web ediert von Anne Grüneberg

