29.02.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Glossophaga soricina
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Fledermäuse schaffen es, in der Luft zu schweben und gleichzeitig zu essen. In einem Video zeigen Forscher den Trick dahinter und gewinnen so Erkenntnisse für den Flugzeugbau.
Langsam fliegende Wirbeltiere sind eigentlich nicht in der Lage, in der Luft zu schweben. Kolibris und Fledermäuse können es dennoch - und benutzen dabei einen aerodynamischen Trick, wie Forscher aus den USA und Schweden bei der kleinen Blütenfledermaus herausgefunden haben. Das Tier erzeugt mit den Vorderkanten seiner Flügel einen Luftwirbel, der es in der Luft schweben lässt, berichteten die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins «Science» (Vol. 319; Nr.5867, DOI: 10.1126/science.1153019).
Der Wirbel war zuvor nur bei Insekten beobachtet worden. Die Teams der Universität im schwedischen Lund und der University of Southern California in Los Angeles hatten kleine Spender mit Honigwasser in einem Windkanal aufgehängt und machten die Flügelbewegungen der Fledermäuse mit Nebel und Hochgeschwindigkeitskameras sichtbar.
Die Forscher fanden heraus, dass der
Leading Edge Vortex genannte Luftwirbel für 40 Prozent des Auftriebes der Fledermäuse sorgt. Anders als Insekten erzeugen die Tiere den Luftwirbel durch die Anpassung der Krümmung ihrer Flügel. Die Flughaut der Fledermäuse erstreckt sich von den Hand- bis zu den Fußgelenken. Mit den Fingern und Daumen können die Tiere Flügelstellung und krümmung kontrollieren und so den Luftwirbel erzeugen. Insekten haben dagegen relativ gesehen dickere Flügel und sorgen durch die Geschwindigkeit der Flügelschläge für den nötigen Auftrieb.
Die Art und Weise, wie Fledermäuse die Form ihrer Flügel kontrollieren, liefert nach Worten des Studienleiters Anders Hedenstrom wichtige Grundlagen für den Flugzeugbau. «Wir Ingeniere können immer noch sehr viel Inspiration von der Natur bekommen», ergänzt der Forscher der Universität Lund. Die Erkenntnisse sollen neue Flügelformen bei Kleinstflugzeugen ermöglichen. Diese Mikrodrohnen werden zunehmend bei Militär und Polizei zur Überwachung und Aufklärung eingesetzt. (nz)