Überfischung der Meere: 

netzeitung.deSushi-Boom lässt Thunfisch knapp werden

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Oft zu jung gefischt: Thunfische in einem Großmarkt in Tokio (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Oft zu jung gefischt: Thunfische in einem Großmarkt in Tokio
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die weltweite Nachfrage nach Thunfisch ist für die Bestände eine Katastrophe. Da oft zu junge Tiere in den Netzen landen, droht dem Fisch ein «desaströser Niedergang», warnen Umweltschützer.

Meeresforscher und Artenschützer warnen vor einem dramatischen Zusammenbruch zahlreicher Thunfischbestände in den Weltmeeren. Die ungezügelte Überfischung sei nicht nur verheerend für die Tiere, sie bedeute auch heute bereits einen enormen wirtschaftlichen Schaden, berichtete Jose Ingles von der Umweltstiftung WWF-Philippinen zum Abschluss der Jahrestagung des US- Wissenschaftsverbands AAAS am Montag in Boston. Allein der philippinischen Fischereiflotte entgingen durch den Fang zu junger Fische mindestens 1,2 Milliarden Dollar pro Jahr.

Dem Thunfisch drohe vielerorts ein ähnliches Schicksal wie dem Kabeljau, dessen Bestände in den vergangenen Jahrzehnten zum Teil drastisch eingebrochen waren. So sei in nur drei Jahren der wirtschaftliche Ertrag aus der Jagd auf den Gelbflossen-Thunfischs (Neothunnus macropterus) im zentralen Westpazifik um mehr als 40 Prozent gesunken, berichtete Rashid Sumaila von der Universität von British Columbia. Brachte der vor allem auf dem japanischen Sushi-Markt beliebten Fisch 2001 in der Region noch 1,9 Milliarden Dollar, waren es 2004 nur noch 1,1 Milliarden Dollar.

Die Ursache für den Bestandseinbruch sind oft veraltete Fangmethoden. Reiche Länder wie Japan oder die USA hätten zwar auch Methoden zum gezielten Fang erwachsener Thunfische entwickelt, hieß es. Aber die Flotten von Entwicklungsländern wie die der Philippinen fischten mit ihren kilometergroßen Reusen und Techniken, die ganze Schwärme anlocken, regelmäßig große Mengen Jungfische aus dem Meer. Das sei auch für diese Flotten selbst von Nachteil. Für den Beifang an Gelbflossen- Thunfischen der philippinischen Flotte rechnete Ingles vor: «Wenn die Fische heranwachsen dürften, wären sie mehr als 1,5 Milliarden Dollar jährlich wert - deutlich mehr als die rund 236 Millionen Dollar, die derzeit mit jungen Fischen erzielt werden.»

Die Fischereiexperten sehen den Thunfisch an der Schwelle zu einem «desaströsen Niedergang». Sie erinnerten daran, dass mit der Kabeljaufischerei auch ganze Wirtschaftszweige vieler Länder zusammengebrochen seien. «Auf ihrem Gipfel brachte die kanadische Kabeljaufischerei im Atlantik 1968 einen Ertrag von 1,4 Milliarden Dollar», erläuterte Sumaila. «2004 brachte sie nur noch 10 Millionen Dollar ein.» Aus diesem katastrophalen Zusammenbruch müsse die Thunfisch-Fischerei lernen, mahnten die Experten auf der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science (AAAS). Die jährliche Konferenz gilt als größtes fachübergreifendes Forschertreffen der Welt. In Boston hatten sich nach Veranstalterangaben rund 9000 Teilnehmer aus mehr als 60 Ländern zusammengefunden. (dpa)