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Genforschung: 

Schädlinge tricksen Gentechnik aus

08. Feb 2008 13:49
Protest
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Gentechnische Veränderungen sollen Nutzpflanzen vor Schädlingsbefall schützen. Doch die Evolution macht auch vor Insekten nicht halt.

Forscher haben nach eigenen Angaben erstmals nachgewiesen, dass Schadinsekten in freier Natur gegen Pflanzenschutz in gentechnisch veränderten Baumwollpflanzen resistent geworden sind. Die Wissenschaftler um Bruce Tabashnik von der Universität Arizona in Tucson präsentieren ihre Arbeit im Journal «Nature Biotechnology» (Bd. 26, Nr. 2, S. 199; Fachartikelnummer: DOI 10.1038/nbt1382).

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Die Gruppe hatte Baumwollpflanzen in den USA untersucht, die ein zusätzliches Gen aus dem Bodenbakterium Bacillus thuringiensis tragen. Bei der so genannten Bt-Baumwolle entsteht aus dieser Erbanlage das Protein Cry1Ac, das Zellen im Darm der Schädlinge zerstört, in diesem Falle beim Baumwollkapselbohrer (Helicoverpa zea).

In den Tests untersuchte Tabashnik, welche Bt-Konzentration nötig war, um die Hälfte der Insekten zu töten. Dabei zeigte sich, dass einige in den Jahren 2003 und 2004 in den US-Bundesstaaten Arkansas und Mississippi gesammelte Baumwollkapselbohrer dafür viel mehr Bt- Gift fressen mussten als jene Insekten, die noch nie damit in Berührung gekommen waren. Sobald zehnmal mehr Gift nötig war, sprechen die Forscher von einer Resistenz.

Stichwort:
Nach Angaben der internationalen Biotechnik-Agentur (ISAAA) wurden 2006 weltweit gentechnisch veränderte Pflanzen auf rund 102 Millionen Hektar angebaut, 13 Prozent mehr als 2005. Die gemeinnützige Organisation erwartet, dass bis 2015 mehr als 20 Millionen Landwirte 200 Millionen Hektar gentechnisch veränderter Pflanzen in mehr als 40 Ländern anbauen werden.
Bei je zwei Kapselbohrer-Gruppen waren es mehr als 50 Mal soviel, mehr als 100 Mal so viel und mehr als 500 Mal so viel. In Tieren, die 2005 und 2006 im Feld gesammelt wurden, waren es gar 1000 Mal mehr. «Unsere Analyse zeigt, dass Laborversuche mit Helicoverpa zea den ersten Fall einer in freier Natur entstandenen Resistenz gegen das Bt-Gift einer transgenen Pflanzen dokumentieren», formuliert Tabashnik. Das habe aber noch nicht zu einem Ausfall des Bt- Pflanzenschutzes geführt.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Schädlinge gegen Pflanzengifte resistent werden, sagte Heinz Saedler, Direktor am Max- Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln. Solche Mutationen entstehen in der Natur zufällig und setzen sich durch, wenn sie den Tieren einen Überlebensvorteil bringen.

Um die Resistenzbildung zu verhindern, werden Bt-Pflanzen meist zusammen mit unveränderten Pflanzen der gleichen Sorte angebaut. Auf ihnen vermehren sich Insekten, ohne resistent zu werden. Nachkommen beider Insektentypen sollen auf jeden Fall wieder empfindlich für das Bt-Gift sein - und sterben. Kritiker zweifeln, dass dies auf Dauer funktioniert. Neue Bt-Pflanzen enthalten mehr als eine Variante des giftigen Bt-Proteins - falls ein Insekt gegen eines resistent werden sollte, soll das zweite zum Zuge kommen.

Auftraggeber Monsanto

Die Autoren weisen darauf hin, dass sie nicht für diese, aber für andere Forschungsarbeiten Geld vom US-Biotechnikunternehmen Monsanto erhalten haben - dem weltweit größten Anbieter der Bt-Technologie. Derzeit stammen 90 Prozent aller weltweit angebauten Gen-Pflanzen von Monsanto.

Der Konzern bietet vor allem auch in Entwicklungsländern so genanntes Terminator-Saatgut an. Dabei wird die Erbinformation von Pflanzen gentechnisch so verändert, dass nur ein einmaliges Keimen der Pflanzen möglich sein soll. Hierdurch wird verhindert, dass ein Teil der Ernte für die Aussaat im nächsten Jahr wieder verwendet werden kann. Andererseit soll es ein unkontrolliertes Ausbreiten der gentechnisch veränderten Pflanzen verhindern. Kritikern zufolge kann aber eine Ausbreitung der Terminatorpflanzen nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden. (nz/dpa)

 
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