Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Die Täuschung des freien Verbraucherwillens

15. Jan 2008 07:18
Kosten und nicht auf den Preis schauen
Bild vergrößern
Was nix kost, taugt auch nix. Warum dieser Spruch von Oma so gar nicht als Verbraucherempfehlung taugt, haben kalifornische Wissenschaftler herausgefunden.

Teuere Produkte müssen lecker sein – denkt zumindest unser Gehirn. Mithilfe funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) lässt sich dieser Trugschluss sogar an der Hirnaktivität nachweisen, wie kalifornische Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins «Proccedings of the National Academy of Sciences» (DOI: 10.1073/pnas.0706929105) berichten. Die Studie gibt Aufschluss darüber, auf welche Weise Marketinginstrumente wie Produktpreis oder Markenimage das Gehirn - und damit die Produktentscheidungen der Verbraucher – beeinflusst.

Mehr in der Netzeitung:
Das Team um Antonio Rangel des California Institute of Technology in Pasadena ließ 20 Probanden fünf Cabernet-Sauvignon-Weine probieren und zwar in einem Magnetresonanztomographen. Auf diese Weise konnten die Wissenschaftler die Aktivität des Gehirns während des gesamten Versuchs messen. Sie sagten den Versuchsteilnehmern vorab, Ziel des Versuch sei es, mehr über das Schmecken an sich herauszufinden, und dass die einzelnen Weine über die Höhe ihre Verkaufspreises unterschieden würden. Tatsächlich ließen die Forscher ihre Probanden aber nur drei verschiedene Weine verkosten, zwei davon doppelt mit jeweils unterschiedlichen Preisangaben.

Stichwort:
Die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) ist ein bildgebendes Verfahren mit hoher räumlicher Auflösung zur Darstellung von aktivierten Strukturen im Inneren eines Organismus - insbesondere des Gehirns. Verschiedene Tätigkeiten, Sinneswahrnehmungen oder Denkprozesse werden in unterschiedlichen Regionen des Gehirns verarbeitet. Damit verbunden ist eine Erhöhung des Blutflusses und die Steigerung des Stoffwechsels. Dies kann durch fMRT sichtbar gemacht werden.
Grundsätzlich beurteilten die Versuchsteilnehmer die vermeintlich teuren Weine geschmacklich besser als die günstigen. Im Gehirn zeigte sich dies durch eine höhere Aktivität im sogenannten medialen orbitofrontalen Cortex. Diese Region ist an der individuellen Beurteilung von Gerüchen, dem Geschmack von Essen oder auch von Musik beteiligt.

Allein der Preis des Weines reiche aus, um die Aktivität in dieser Hirnregion zu verändern und so das individuelle Geschmacksurteil zu beeinflussen, schreiben die Wissenschaftler. Vermutlich hätten andere Angaben, welche die Erwartungen an die Produktqualität betreffen, ähnliche Auswirkungen im Gehirn, etwa Angaben zur Herkunft des Produkts, seinen Inhaltsstoffen, der Markenname oder das Qualitätsurteil eines Experten.

Zahlreiche Experimente haben bereits gezeigt, dass der Erfolg eines Produkts nicht nur von seiner Qualität bestimmt wird, sondern auch von den Erwartungen der Verbraucher und von ihrer jeweiligen Stimmung. So kommt es zum Beispiel, dass in entsprechenden Experimenten Produkte einer bestimmten Marke besser beurteilt werden als markenlose Konkurrenzprodukte auch wenn die Kennzeichnung der Produkte absichtlich gefälscht wurde. In einem Experiment wiesen Forscher sogar nach, dass allein der Preis eines Energy Drinks die Fähigkeit der Probanden mitbestimmt, Rätsel zu lösen. (nz/dpa)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
Reparatur an der ISS: 
Astronautin Butterfinger im All
Fröhliche Wissenschaften: 
Raumfahrtchef glaubt an Aliens
 
Folgen des Klimawandels: 
Der November wird zum August
 
Microsofts Gründerinitiative: 
Kostbare Kontakte nach Redmond
Verbraucherschutz im Rachenraum: 
Ein Prosit auf die Mundhygiene
 
Merkel zum 70. Jahrestag der Pogromnacht: 
«Nie wieder eine Chance» für Antisemitismus
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.