Nürnberger Zoodirektor rechtfertigt Eisbärentod
09. Jan 2008 19:17
 |  Wird es ein neuer Knut? | Foto: dpa |
|
«Wir würden an keiner Stelle anders reagieren», sagte der Nürnberger Zoodirektor. Von Tierschützern wird dies scharf kritisiert. Man solle Eisbären in Zoos weder halten noch züchten.
Nachdem Eisbär Knut letztes Jahr zum Liebling der Nation avancierte, drohte jetzt dem Nürnberger Zoo hingegen ein Drama mit ihrem Eisbärnachwuchs. Tierschützer sehen sich jetzt in ihrer Ansicht bestätigt, dass Eisbären nicht in Zoos gehalten werden sollten.
„Die bereits toten Tiere sind Opfer eines verantwortungslosen Verhaltens. Es ist nur konsequent, dass sich der Zoo nun des noch lebenden Jungtieres annimmt«, sagte Thomas Schröder, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Tierschutzbundes. »Es ändert aber nichts daran, dass der Zoo mit der Grundsatzentscheidung, Eisbären zu halten und zu züchten, einen Irrweg eingeschlagen hat«. Ein Wildtier sei ein Wildtier und könne in Gefangenschaft weder gehalten noch gezüchtet werden.Schuldzuweisungen am Tod der zwei Eisbärbabys von Muttertier «Vilma» wies die Zooleitung entschieden zurück. «Unsere Entscheidung, so spät einzugreifen, halten wir weiterhin für absolut richtig und konsequent», sagte der stellvertretende Zoodirektor Helmut Mägdefrau. Zoodirektor Encke betonte, die Zooleitung würde in einer vergleichbaren Situation an keiner Stelle anders handeln.
Tierschützer wollen keine Eisbären mehr in Zoos
Eisbären legen in der freien Wildbahn jeden Tag mehrere Kilometer zurück, während die vorgegebenen Käfiggrößen im Zoo bei wenigen Quadratmetern liegen. Selbst die größten Außengehege in Zoos seien im Vergleich hierzu nur winzige Gefängnisse, die den natürlichen Bewegungsdrang der Tiere extrem einschränken, kritisieren Tierschützer. Die Tiere leiden oftmals unter Langeweile und Verhaltensstörungen. Aus Sicht der Tierschützer müsste die Haltung von Eisbären in Zoos schnellstmöglich auslaufen.
Im Falle der trächtigen Eisbärweibchen in Nürnberg »hätte man sich nicht aus der Verantwortung stehlen dürfen«, sagte Steffen Beuys, Sprecher des Deutschen Tierschutzbundes, der Netzeitung. Es sei verantwortungslos, Nachzucht zu betreiben, wenn nicht geklärt sei, was mit den Jungtieren später geschehen solle. »Die Tiere leben nicht in ihrer natürlichen Umgebung, sind die ganze Zeit auf die Betreuung der Pfleger angewiesen und ausgerechnet bei der Geburt ihrer Jungen werden sie in einer Höhle allein gelassen. Das passt nicht zusammen«, so Beuys.
«Hausgemachtes Problem»
Auch die Tierschutzorganisation »aktion tier« kritisierte den Nürnberger Zoo. Die Zuständigen hätten vergessen, rechtzeitig Videokameras in den Höhlen der Tiere anzubringen, um zu überprüfen, ob sich die Muttertiere ausreichend um den Nachwuchs kümmerten. Dass jetzt das verbleibende Jungtier von Hand aufgezogen werden muss, sei ein «hausgemachtes Problem». Wobei Handaufzuchten auch immer das Risiko von späteren Verhaltensstörungen bergen würden.Die zwei Jungen der Eisbärin «Vilma» waren in der Höhle nicht mehr auffindbar. Kurz darauf kam die Nachricht, der Nachwuchs sei tot. Möglicherweise wurden sie von der Mutter gefressen. Die Babys seien wahrscheinlich krank gewesen, erklärte Zoodirektor Dag Encke am Montag.
Als Eisbärweibchen «Vera» am Dienstag ihr Jungtier aus der Geburtshöhle trug und es im Gehege mehrmals aus eineinhalb Metern Höhe fallen ließ, befürchtete die Nürnberger Zooleitung das gleiche Schicksal für das noch lebende Eisbärbaby. «Die Mutter war vollkommen desorientiert», sagte Mägdefrau. «Wir haben dann gegen unsere grundsätzliche Entscheidung für eine Naturaufzucht eingegriffen.» Das vermutlich weibliche Eisbärbaby wurde der Mutter entnommen und in die Handaufzucht von vier Tierpflegern gegeben. (nz/dpa)