09.01.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Nürnbergs neues Eisbär-Baby
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Das Jungtier ist «putzmunter, kräftig und gut ernährt» - es ist vermutlich eine kleine Eisbärin. Jetzt sucht der Zoo weltweit nach einem zweiten Bären-Baby, mit dem die kleine Eisbärin aufwachsen kann.
Nach Knut bekommt Deutschland nun wohl ein weibliches Eisbärbaby. Das überlebende Jungtier im Nürnberger Zoo, das mit der Flasche aufgezogen wird, sei mit aller Wahrscheinlichkeit ein Weibchen, sagte der stellvertretende Zooleiter Helmut Mägdefrau am Mittwoch in Nürnberg. Mit Sicherheit könne man das aber erst sagen, wenn die Geschlechtsorgane des Tieres besser ausgebildet seien.
Einen Namen hat das Baby noch nicht. Dieser solle in einem öffentlichen Wettbewerb ermittelt werden, kündigte der zweite Nürnberger Bürgermeister Horst Förther an. Zunächst will der Zoo aber abwarten, wie sich das Jungtier entwickelt. «Das Baby ist putzmunter, kräftig und gut ernährt», sagte Mägdefrau. Es habe aber die Augen noch geschlossen und schlafe viel. »Es kann gerade mal ein bisschen robben«, erzählte der Zooleiter. Das Jungtier wiege im Moment 1700 Gramm und bekomme alle vier Stunden eine Flasche Welpenmilch mit einem hohen Fettanteil.
Nürnberger Zoo steht in Kontakt mit Berliner ZooEine Mannschaft von vier Tierpflegern wird sich in den nächsten Tagen um das Jungtier kümmern. Die Pfleger seien erfahren und haben rund um die Uhr ein Auge auf die kleine Bärin. Darüber hinaus stehe man auch mit dem Zoo Berlin in Kontakt und tauscht Erfahrungen mit Eisbär Knut aus. »Wir haben über Dinge wie die Futterzusammensetzung gesprochen«, sagte André Schüle, Tierarzt des Zoos Berlin, gegenüber der Netzeitung.
Wenn alles gut geht, soll es Ende März oder Anfang April der Öffentlichkeit präsentiert werden. Derzeit kümmern sich vier mit der Aufzucht von Eisbären erfahrene Pfleger um das Baby. Der Zoo ist aber auch auf der Suche nach einem elternlosen Eisbär- oder Braunbärbaby, damit die Jungen gemeinsam aufwachsen können. »Das wäre für die Entwicklung des Tieres das Beste«, erklärte Mägdefrau. Das Jungtier zur Mutter zurückzubringen, sei ausgeschlossen, sagte Zooleiter Dag Encke. Diese würde es dann mit hoher Wahrscheinlichkeit fressen.
Zoodirektor verteidigt sich gegen TierschützerEncke verteidigte sich gegen Kritik von Tierschützern, die dem Zoo die Hauptschuld an dem Tod zweier weiterer Eisbärbabys gegeben hatte, die von ihrer Mutter »Vilma« gefressen worden waren. »Wir würden an keiner Stelle anders reagieren«, sagte Encke. An erster Stelle stehe die Aufzucht durch das Muttertier selbst. Beim dritten Eisbärbaby habe man sich aber am Dienstag doch für eine Handaufzucht entschieden, nachdem die Mutter »Vera« das Jungtier aus der Geburtshöhle getragen hatte und es im Gehege mehrmals aus eineinhalb Metern Höhe fallen lassen. »Die Mutter war vollkommen desorientiert«, sagte Mägdefrau. »Wir haben dann gegen unsere grundsätzliche Entscheidung für eine Naturaufzucht eingegriffen.«
Die Ursache für »Veras« Verhalten, die sich zuvor sehr gut um ihren Nachwuchs gekümmert hatte, sei weiter unklar, sagte der Zooleiter. Möglicherweise habe ein Kamerateam die Eisbärin gestört. (nz/dpa)