Tierschützer wegen Eisbärbabys im Dilemma08. Jan 2008 14:44  |  Der mit der Flasche aufgezogene Knut | Foto: dpa |
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Die von der Eisbärin aufgefressenen Babys stürzen die Tierschützer in ein Dilemma. Sie wollten keine «neuen Knuts», sagen aber, dass der Zoo auf «Vilma» und ihre Jungen besser hätte aufpassen müssen.
Drama um die Eisbärbabys im Nürnberger Zoo: Zwei Jungtiere wurden vermutlich von ihrer Mutter aufgefressen. Wie Tiergarten-Chef Dag Encke am Montag erklärte, wurde bei einer Kontrolle des Stalls von Eisbärenweibchens «Vilma» keines ihrer vermuteten zwei Babys gefunden. «Es war kein lebender Eisbär mehr zu sehen», sagte Encke. «Wir vermuten, dass sie sie aufgefressen hat.»
Vermutlich seien die Bären krank oder sogar schon tot gewesen, als «Vilma» sie gefressen habe. «Raubtiere sind bekannt dafür, dass sie ihren Nachwuchs auffressen, wenn die Jungtiere nicht in Ordnung sind oder die Umstände der Mutter eine erfolgreiche Aufzucht unwahrscheinlich machen», sagte Encke. Von den Babys seien bereits einige Tage keine Schreie mehr zu hören gewesen, was aber als gutes Zeichen gewertet worden sei, dass sie gut versorgt werden. Erst als «Vilma» am Montag erstmals seit der Geburt Ende November am Schieber der Wurfbox gekratzt hatte und sich nervös verhalten habe, habe ein Pfleger den Stall umgehend, aber erfolglos nach den Jungtieren durchsucht. Heute wollen Pfleger die Eisbärin aus der Wurfbox locken und diese durchsuchen. Denn es sei auch möglich, dass die toten Eisbärbabys noch unter dem Heulager lägen, sagte Encke. Der Deutsche Tierschutzbund kritisierte die Leitung des Nürnberger Tiergartens nach dem Tod der beiden Eisbärenbabys. «Der Zoo hätte früher eingreifen müssen», sagte Verbands-Geschäftsführer Thomas Schröder. «Grundsätzlich lehnen wir die Haltung und Nachzucht von Eisbären in Gefangenschaft strikt ab.» Im Vorfeld hatte der Deutsche Tierschutzbund scharfe Kritik an der Aufzucht von Eisbär Knut im Berliner Zoo geäußert. Präsident Wolfgang Apel sagte: «Die Sozialisation ist gescheitert, Knut wurde zu sehr vermenschlicht.» Eisbären müssten «generell weg aus Zoos». Es müsse «Schluss sein mit noch mehr Knuts».
Lieber ein Knut als tote Eisbär-Babys
Das Drama in Nürnberg hätte dennoch verhindert werden können, meinen die Tierschützer. Mit der Aufzucht von Eisbären übernehme der Zoo eine ethische Verpflichtung, erklärte Schröder. «Und die heißt: Jedes Tier hat ein Recht auf Leben.» Darum müsse der Nürnberger Tiergarten nun bei Eisbärin «Vera», die ebenfalls Nachwuchs bekommen hat, prüfen, ob diese mit ihrem Nachwuchs zurechtkomme und das Baby notfalls ähnlich wie «Knut» mit der Hand aufziehen. Der weltberühmt gewordene Berliner Eisbär war von seiner Mutter nicht angenommen worden und von dem Tierpfleger Thomas Dörflein mit der Flasche aufgezogen worden. «Der Tiergartenleitung war es offensichtlich wichtiger, das Image des Zoos im Sinne des europäischen Zuchtprogramms zu erhalten, als sich um das Leben der Tiere zu kümmern», kritisierte Schmid den Nürnberger Zoo.
Dessen Leiter Encke wies die Vorwürfe der Tierschützer als «völligen Quatsch» zurück. Die aktuelle Empfehlung des Europäischen Erhaltungs-Zuchtprogramms (EEP) laute, den Stall frühestens sechs Wochen nach der Geburt zu kontrollieren, sagte Encke. «Wir bleiben bei dem, was wir bisher gemacht haben.» Das gelte auch für die Eisbärin «Vera», die Mitte Dezember ebenfalls Nachwuchs bekommen hat.Zumindest von «Vera» und ihrem Eisbärenbaby gibt es gute Nachrichten. Das Kleine erfreue sich offenbar bester Gesundheit, sagte Encke. Einem Besucher des Tiergartens sei es am Sonntag gelungen, das Baby mit seiner Mutter am Eingang zur Höhle zu fotografieren. Encke wollte auch nicht ausschließen, dass «Vera» in ihrer Höhle noch ein weiteres Jungtier versteckt hält. (AP/dpa)
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