Es ist ein ziemlich heißer Sommer, als die mysteriöse Krankheit im August 1967 in Marburg erstmals ausbricht. Die Erkrankten klagen über Grippesymptome wie Kopf- und Gliederschmerzen und haben hohes Fieber. «Es schien am Anfang wie eine Sommergrippe», sagt Slenczka. Bald werden die Blutgefäße der Patienten durchlässig, ihr Gewebe löst sich regelrecht auf, und es kommt zu inneren Blutungen. Fünf der 24 Erkrankten in Marburg sterben innerhalb weniger Tage an dem sogenannten hämorrhagischen Fieber.Alle Gestorbenen hatten ebenso wie die Mehrzahl der Erkrankten in den Marburger Behring-Werken gearbeitet. Sie alle waren mit Blut oder Organen von Grünen Meerkatzen aus Afrika in Kontakt gekommen, einer Affenart, die das Pharmaunternehmen damals zur Herstellung eines Impfstoffs gegen Kinderlähmung nutzte.
In der idyllischen Universitätsstadt an der Lahn macht sich Panik breit. Die Medien berichten von der rätselhaften «Marburger Affenkrankheit». «Um die Häuser von Erkrankten machten viele große Bögen», sagt Slenczka. Wie sich später herausstellt - völlig umsonst: Denn das Virus wird ähnlich wie der Aidserreger HIV und das Lebervirus Hepatitis B über direkten Kontakt mit Blut oder Schleimhäuten von Infizierten übertragen.
«Nach wochenlangen Forschungen konnten wir um den 20. November 1967 herum sagen, dass die Affen die Importeure des Erregers waren», sagt der emeritierte Virologie-Professor Slenczka. Das Team mit Slenczka hatte Blut von Infizierten in Lebern von Meerschweinchen gespritzt und so den lebensbedrohlichen Erreger nachgewiesen. Das Hamburger Tropeninstitut fertigte elektronenmikroskopische Bilder an, die den stäbchenförmigen Erreger zeigten.
Erst rund 40 Jahre später wurde das mutmaßliche Wirtstier entdeckt. «Nach einer Studie von diesem Jahr verdichten sich die Hinweise darauf, dass das Wirtstier der Nilflughund, eine Fledermausart, ist», sagt Klenk.