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Tödliches Virus ängstigt eine hessische Stadt

21. Nov 2007 13:31
In Angola ist das Marburg-Virus 2005 ausgebrochen
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Vor 40 Jahren haben Forscher erstmals das tödliche Marburg-Virus entdeckt. Seither ist es in Europa nicht mehr aufgetaucht.

Ausgerechnet nach dem beschaulichen Marburg ist das Killer-Virus benannt, das seine Opfer qualvoll verbluten lässt. Bis heute gibt es gegen das Marburg-Virus keine Medikamente oder Impfstoffe. «Nur die Symptome können mit Medikamenten zur Stützung des Kreislaufs und des Gerinnungssystems gelindert werden», sagt der Direktor des Marburger Instituts für Virologie, Prof. Hans-Dieter Klenk. Etwa jede fünfte Infektion endet tödlich.

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Forscher haben das Virus erstmals im August 1967 in Marburg entdeckt, seither ist es in Europa nie wieder aufgetreten. Im November 1967 steht fest: Den Erreger haben Versuchsaffen aus Uganda nach Marburg eingeschleppt.

Zum Forscherteam, das in den Wochen nach dem Ausbruch nach dem rätselhaften Erreger suchte, gehörte Werner Slenczka. «Es war schnell klar, dass es sich um einen völlig neuen Erreger handelt, da bekannte Erreger wie Fleckfieber oder Typhus ausgeschlossen werden konnten», erinnert sich der 72-Jährige. Slenczka arbeitete damals als medizinischer Forschungsassistent an der Universität Marburg.

Betroffene leiden unter Grippesymptome

Es ist ein ziemlich heißer Sommer, als die mysteriöse Krankheit im August 1967 in Marburg erstmals ausbricht. Die Erkrankten klagen über Grippesymptome wie Kopf- und Gliederschmerzen und haben hohes Fieber. «Es schien am Anfang wie eine Sommergrippe», sagt Slenczka. Bald werden die Blutgefäße der Patienten durchlässig, ihr Gewebe löst sich regelrecht auf, und es kommt zu inneren Blutungen. Fünf der 24 Erkrankten in Marburg sterben innerhalb weniger Tage an dem sogenannten hämorrhagischen Fieber.

Alle Gestorbenen hatten ebenso wie die Mehrzahl der Erkrankten in den Marburger Behring-Werken gearbeitet. Sie alle waren mit Blut oder Organen von Grünen Meerkatzen aus Afrika in Kontakt gekommen, einer Affenart, die das Pharmaunternehmen damals zur Herstellung eines Impfstoffs gegen Kinderlähmung nutzte.

In der idyllischen Universitätsstadt an der Lahn macht sich Panik breit. Die Medien berichten von der rätselhaften «Marburger Affenkrankheit». «Um die Häuser von Erkrankten machten viele große Bögen», sagt Slenczka. Wie sich später herausstellt - völlig umsonst: Denn das Virus wird ähnlich wie der Aidserreger HIV und das Lebervirus Hepatitis B über direkten Kontakt mit Blut oder Schleimhäuten von Infizierten übertragen.

«Nach wochenlangen Forschungen konnten wir um den 20. November 1967 herum sagen, dass die Affen die Importeure des Erregers waren», sagt der emeritierte Virologie-Professor Slenczka. Das Team mit Slenczka hatte Blut von Infizierten in Lebern von Meerschweinchen gespritzt und so den lebensbedrohlichen Erreger nachgewiesen. Das Hamburger Tropeninstitut fertigte elektronenmikroskopische Bilder an, die den stäbchenförmigen Erreger zeigten.

Erst rund 40 Jahre später wurde das mutmaßliche Wirtstier entdeckt. «Nach einer Studie von diesem Jahr verdichten sich die Hinweise darauf, dass das Wirtstier der Nilflughund, eine Fledermausart, ist», sagt Klenk.

Schlimmste Epidemien in Afrika

In Afrika gab es die bislang schlimmsten Epidemien durch den Marburg-Erreger, der mit dem später entdeckten Ebola-Virus verwandt ist: 2005 starben in Angola laut Klenk mehrere hundert Menschen, auch in Uganda und im Kongo sei das Marburg-Virus aufgetreten und habe Menschen innerlich verbluten lassen.

Das Marburg-Virus wurde in der Stadt, in der es zum ersten Mal beobachtet wurde, Ausgangspunkt für umfangreiche Forschungen mit gefährlichen Viren. In Marburg wird auch über Ebola, Sars, Lassa und Influenza geforscht. «Nur im Hamburger Tropeninstitut und in Marburg gibt es sogenannte L4-Labore», sagt Klenk. In diesen Laboren wird unter der höchsten Sicherheitsstufe vier an hoch ansteckenden und tödlichen Viren geforscht. Noch in diesem Jahr soll in Marburg ein neues L4-Labor in Betrieb gehen. Auf der Fassade des Gebäudes sind vergrößerte Marburg-Viren abgebildet. (Von Maria Panagiotidou, dpa)


 
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