Forscher basteln Stammzellen aus Haut
Die Arbeiten wurden am Dienstag in den Fachmagazinen Cell (DOI: 10.1016/j.cell.2007.11.019) und Science (DOI: 10.1126/science.1151526) online veröffentlicht. Die Studie in Cell wurde von einem Team um den Forscher Shinya Yamanaka von der Universität Kyoto erstellt, das Papier in Science von einer Gruppe Wissenschaftler unter Leitung von Junying Yu, der im Labor des Stammzellenpioniers James Thomson an der Universität von Wisconsin-Madison arbeitet.
Ein Ausweg aus dem Konflikt bestünde darin, Körperzellen Erwachsener so umzuprogrammieren, dass sie wieder die Eigenschaften der embryonalen Stammzellen annehmen. Und genau das scheint Wissenschaftlern nun gelungen zu sein. Die umgewandelten Hautzellen unterschieden sich dem Bericht nach hinsichtlich ihres Aussehens und ihrer Wachstumseigenschaften nicht von gewöhnlichen Stammzellen. Die Aktivität der Gene sei ähnlich, wenn auch nicht identisch.
Im Labor entwickelten sich die Zellen zu Vertretern aller drei Keimblätter weiter - jenen Anlagen, aus denen während der Embryonalentwicklung letztlich alle Gewebe und Organe hervorgehen. Außerdem ließen sie sich kontrolliert in andere Zelltypen verwandeln. Durch die Einschleusung der Gene begannen sie zum Beispiel in der Kulturschale rhythmisch zu zucken - sie hatten sich zu Herzmuskelzellen entwickelt.
Die Forscher aus Wisconsin-Madison nutzten die Gene Oct3/4, Sox2, Nanog und Lin28. Mit diesen vier Faktoren gelang es ihnen unter anderem, Zellen aus der Vorhaut eines neugeborenen Jungen in den embryonalen Zustand zurückzuversetzen. Ein Vergleich beider Techniken könne Forschern neue Einsichten darin geben, wie sich die Uhr der Entwicklung zurückdrehen lasse, meint Science in einem begleitenden Kommentar.
Allerdings gibt es einen Haken: Die Technik zerreißt die DNS der Hautzellen, was potenziell zur Entstehung von Krebs führen kann. Damit verbietet sich eine Nutzung gerade in dem Bereich, von dem sich die Forschung das größte Einsatzgebiet erhofft - die Gewinnung von Transplantationsgewebe. Die Zerstörung der DNS ist aber nur ein Nebenprodukt der Technik und kann nach Ansicht von Wissenschaftlern umgangen werden.
Noch sei beispielsweise nicht klar, ob die neuen Zellen tatsächlich das Potenzial echter embryonaler Stammzellen hätten. Zudem gebe es noch keine Möglichkeit, die Viren, mit denen die vier Gene ins Erbgut der Hautzellen eingeschleust wurden, wieder zu entfernen. Vor einer möglichen therapeutischen Nutzung müssten noch etliche wissenschaftliche Fragen geklärt werden. (nz/dpa/AP)

