netzeitung.deVulkan machte Indien leicht und schnell

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Knautschzone Himalaja (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Knautschzone Himalaja
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Subkontinent Indien war vor 50 Millionen Jahren viel schneller als seine Kollegen. Er prallte mit so hoher Geschwindigkeit gegen die eurasische Platte, dass sich als Knautschzone der Himalaja auftürmte.

Eine riesige heiße Gesteinsblase unter der Erdkruste hat Indien vor 50 Millionen Jahren leicht und schnell gemacht. Mit einer Geschwindigkeit von 20 Zentimetern pro Jahr prallte der Subkontinent seinerzeit auf die Platte, die Europa und Asien trägt.

Das berichtet ein Team um Rainer Kind vom Geoforschungszentrum Potsdam im britischen Fachjournal Nature (Bd. 449, S. 894; DOI: 10.1038/nature06214). Der Aufprall war so heftig, dass sich als Knautschzone der Himalaya auftürmte. Auch das sich nördlich vom Himalaya anschließende, riesige Tibetanische Hochplateau ist Resultat dieses Zusammenstoßes bei hoher Geschwindigkeit.

Grund für das hohe Tempo ist ein unterirdischer Vulkan, der den indischen Subkontinent von unten zuvor zur Hälfte abgeschmolzen hatte und somit leichter machte, wie die Potsdamer Forscher gemeinsam mit Kollegen vom indischen National Geophysical Research Institute herausfanden.

Sie hatten mit einer neuen Methode nach Details zum Zerbrechen des Superkontinents Gondwana gesucht, zu dem die indische Platte bis vor 140 Millionen Jahren gehörte. Das in Potsdam entwickelte Verfahren ermöglicht die Messung der Mächtigkeit der heutigen Lithosphärenplatten mit großer Genauigkeit.

Die Wissenschaftler bemerkten dabei, dass die indische Platte nur etwa 100 Kilometer dick ist und damit nur halb so mächtig wie die übrigen Restplatten von Gondwana, den die heiße Gesteinsblase zerbrechen ließ. «Dieser Vulkan ließ die untere Hälfte des indischen Subkontinents wegschmelzen, deshalb konnte Indien schneller weiter verschoben werden.»

Zuvor hatte es auf der Erde nur zwei Kontinente gegeben: Laurentia auf der Nordhalbkugel und Gondwana in der südlichen Hemisphäre. Gondwana umfasste unter anderem das heutige Afrika, Südamerika, Vorderindien und die Antarktis. Vor etwa 180 Millionen Jahren spaltete Gondwana sich auf, und die Kontinentalblöcke begannen, sich zu verschieben. Indien trieb nach Norden und stieß gegen Asien. Im Süden spaltete sich die Antarktis ab. Die Bewegung der Erdplatten dauert bis heute an. (nz/dpa)