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Allergien können vor Hirntumoren schützen

11. Okt 2007 14:01
Unangenehm aber möglicher Schutz vor Hirntumoren: Heuschnupfen
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Allergiker haben ein geringeres Risiko, an einem bösartigen Hirntumor zu erkranken. Diese Verbindung eröffne neue Ansätze in der Therapie gegen alle Formen von Krebs, sagen Forscher.

Heuschnupfen, Asthma, Ekzeme – allergische Reaktionen sind Auswirkungen eines zu aktiven Immunsystems. Laut Schätzungen des Gesundheitsministeriums leidet jeder Vierte in Deutschland an einer Allergie. Doch die Hinweise mehren sich, dass das überaktive Immunsystem auch gegen Krebs - insbesondere gegen bösartige Hirntumoren - schützt.

Stichwort: Gliom
Bösartige Hirntumoren wachsen infiltrierend, das heißt sie sind nicht scharf vom umliegenden Gewebe getrennt. Nach einer Operation verbleiben einzelne Zellen im Randbereich, die dann wieder wachsen, so dass es zu einem Rückfalls kommt. Abhängig von der Aggressivität des Tumors kann dies schneller oder langsamer gehen. Die Heilungschancen sind deswegen relativ gering.
Früheren Studien zufolge haben Menschen, die an Allergien leiden, ein geringeres Risiko, an Krebs zu sterben. Auch das Risiko, an einem Gliom zu erkranken, scheint geringer. Um diese Verbindung zu untermauern, haben Mediziner der Harvard School of Public Health haben die Ergebnisse mehrerer kleinerer Forschungen mit insgesamt 4500 Hirntumor-Patienten ausgewertet und kommen zu dem Ergebnis, dass das Risiko, einen bösartigen Hirntumor zu bekommen, bei Allergikern um 39 Prozent geringer ist.

Blockiertes Tumorwachstum

Mehr in der Netzeitung:
Das Team um Eleni Linos veröffentlichte die Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe des Journal of National Cancer Institute (Ausg. 99, S. 1544; doi:10.1093/jnci/djm170). Die Forscher beginnen demnach auch, den Mechanismus hinter der Verbindung zu verstehen. Allergien liegt meist eine genetische Veränderung in den Abwehrzellen und bestimmten Botenstoffen, den Zytokinen, zu Grunde. In Versuchen mit Zellkulturen und Tieren fanden die Mediziner heraus, dass diese Stoffe das Wachstum eines bösartigen Hirntumors unterbinden.

Das «allergische» Immunsystem hatte allerdings keine Auswirkung auf so genannte gutartige Hirntumoren. Diese Meningeome wachsen wesentlich langsamer aus veränderten Zellen der Hirnhaut und sind vom restlichen Gewebe abgekapselt. Die Forscher schließen daraus, dass der Schutzeffekt bei bösartigen Tumoren vielmehr darauf beruht, dass das Immunsystem den Tumor im Wachstum blockiert, als dass das Immunsystem lediglich das Wachstum abnormaler Zellen anzeigt.

Neue Therapieansätze

Mehr im Internet:
Diese Entdeckung sei enorm viel versprechend für Krebstherapien, die auf Basis des Immunsystems arbeiten, merkt der Co-Autor der Studie, Tim Raine, an. Diese Verbindung impliziere, dass bereits ausgebrochene Krebserkrankungen auch mit Immuntherapien behandelt werden könnten.

Wie das Magazin Cancer Research (Ausg. 67, 3406-3411; doi: 10.1158/0008-5472.CAN-06-3758) jüngst berichtet hatte, arbeiten Forscher an der Universität Wien an einer Impfung von Tumoren, die auf modifizierten Antikörpern des Immunsystems basiert. Diese so genannten Immunglobuline E (IgE) spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Allergien, hemmen aber auch das Tumorwachstum. Sie brachten im Experiment Mäuse dazu, in einem kontrollierten Prozess, speziell auf Tumoren zugeschnittene IgE-Antikörper produzieren zu lassen. (nz)

 
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