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Nobelpreis für Medizin geht an drei Genforscher

08. Okt 2007 11:51
Humangenetiker Mario Capecchi erhält den Nobelpreis für Medizin
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Die Wissenschaftler Mario Capecchi, Martin Evans und Oliver Smithies erhalten den Nobelpreis für Medizin. Wegen einer «bahnbrechenden Entdeckung» zum Ausschalten von Genen.

Der Medizin-Nobelpreis ehrt in diesem Jahr eine revolutionäre genetische Technik, die Versuchsmäuse mit menschlichen Krankheiten erzeugt. Die drei Preisträger schalteten gezielt Mäusegene aus, um Modelltiere für menschliche Leiden wie etwa Bluthochdruck oder Diabetes zu erzeugen.

Die US-Amerikaner Mario R. Capecchi und Oliver Smithies sowie der Brite Martin J. Evans haben damit eine Technik entwickelt, die von der Grundlagenforschung bis zur Entwicklung neuer Therapien genutzt wird, wie das Karolinska- Institut am Montag in Stockholm mitteilte. Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist in diesem Jahr mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotiert. «Wir verstehen Mechanismen hinter vielen Krankheiten viel besser. Dies ist ohne Zweifel einer der am meisten verdienten Preise», sagte die Präsidentin der Nobelversammlung, Erna Möller. «Sie (die Forscher) waren alle vollkommen überzeugt, hatten einen enormen Antrieb und haben daher sehr gute Ideen mit Beharrlichkeit kombiniert.»

Nils Brose, Direktor des Max-Planck-Instituts für Experimentelle Medizin in Göttingen ist sicher: «Die Technik hat die Forschung revolutioniert.» Dank der Arbeit der drei Forscher lässt sich gezielt untersuchen, welche Funktion das jeweils ausgeschaltete Gen hat. Inzwischen gibt es viele Tausend solcher «Knock-Out-Mäuse». Allein 500 solcher Mäusestämme wurden gezielt menschliche Krankheiten wie etwa die Blutkrankheit Thalassämie oder Mukoviszidose eingebaut.

Defekte Genschnipsel in Zellen gespritzt

Capecchi (Universität von Utah in Salt Lake City) und Smithies (Universität von North Carolina in Chapel Hill) hatten gezeigt, wie gesunde Gene verändert werden, indem man defekte Genschnipsel in die Zelle spritzt. Das gelang aber nur an einzelnen Zellen. Evans von der britischen Universität Cardiff fand heraus, wie sich mit Hilfe embryonaler Stammzellen neue Gene in Mäuse schleusen lassen. Die Kombination dieser Methoden schuf genveränderte Mäuse, die zum Beispiel bestimmte Erbkrankheiten des Menschen bekommen. «Damit war es erstmals möglich, zielgerichtet im Genom eines Säugers ganz spezifisch Gene auszuschalten», sagte der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Peter Gruss.

Einen Schritt weiter als die diesjährigen Nobelpreisträger ging der Forscher Klaus Rajewsky in Köln. Er entwickelte eine Technik, mit der die Gene nicht im gesamten Körper, sondern in einzelnen Organen stumm geschaltet werden können - damit ließen sich Krankheiten wie Krebs nachbauen, bei den ein Gen nicht von Geburt an, sondern erst später verändert ist.

Am Dienstag werden die Träger des Physik- und am Mittwoch die des Chemie-Nobelpreises benannt. Die feierliche Überreichung findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel. (dpa)

 
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