netzeitung.deMit Chilli gegen Schmerzen

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Mit Chilli gegen Schmerzen - allerdings ohne Schokolade (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Mit Chilli gegen Schmerzen - allerdings ohne Schokolade
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Capsaicin - der brennende Wirkstoff aus Chillischoten könnte die Schmerztherapie revolutionieren. Wissenschaftler unterdrücken damit Schmerzen, ohne andere Nervensignale zu blockieren.

Konventionelle lokale Betäubung bei operativen Eingriffen haben den Nachteil, dass nicht nur die Schmerzsignale blockiert werden sondern auch andere sensorische und motorische Nerven, so dass es zum Beispiel bei einer an der Wirbelsäule durchgeführten Peridural- oder Spinalanästhesie auch zur zeitweiligen Lähmung kommt. Dies ist besonders bei chronischen Schmerzpatienten problematisch, da mit der Therapie gleichzeitig eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit einher geht.

Forscher der Harvard-Universität sind nun einer Therapie auf der Spur, die gezielt nur den Schmerz blockiert, die Bewegung und die Fähigkeit zu Fühlen aber nicht begrenzt. So könnte zum Beispiel eine schmerzfreie Geburt möglich sein, bei der die Frau die Geburt trotzdem fühlt.

Vom Reizstoff zum Schmerzmittel
Wie die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Magazins Nature berichten, benutzen sie ein Molekül namens QX-314, das Nervensignale wie bei einer konventionellen lokalen Anästhesie blockiert, das aber nicht in die Nervenzellen eindringen kann, weil es zu groß ist.

Um einen Zugang zu den Schmerzrezeptoren zu ermöglichen, nutzen die Havard-Forscher eine Eigenschaft von Capsaicin, dem Wirkstoff von gewöhnlichen Chillischoten. Capsaicin wird medizinisch in Wärmepflastern verwendet, da es die Durchblutung der Haut fördert und so einen wärmenden Effekt hat. Der Wirkstoff kommt allerdings auch in so genannten Pfeffersprays zur Anwendung, wobei der Reizstoff als „Waffe“ bei der Selbstverteidigung gegen Tiere und Menschen eingesetzt wird.

Ohne Lähmung
Die Wissenschaftler haben nun entdeckt, dass Capsaicin einen Kanal in die Wände von Schmerzrezeptoren öffnet, damit QX-314 dort wirken kann. Andere Nervenzellen bleiben davon unbeeinträchtigt.

Bei Versuchen an Ratten unterdrückte die Injektion des Moleküls in Verbindung mit Capsaicin die Unterdrückung des Schmerzes, ohne dass die Tiere in eine zeitweilige Lähmung verfielen. Bis die Therapie am Menschen ausprobiert werden kann, müssen die Forscher allerdings noch einige Probleme lösen. So ist zur Zeit noch unklar, wie sich das durch Capsaicin auftretende typische Brennen bemerkbar macht, wenn der Wirkstoff unter die Haut gespritzt wird. (nz)