«Etwa 20 Millionen Curie, halb soviel wie bei der Katastrophe von Tschernobyl, wurden ausgestoßen», erklärt der Atomexperte Wladimir Kusnezow. Eine radioaktive Wolke trieb eine regelrechte Schneise der Verseuchung mehrere hundert Kilometer weit in den Ural. Doch ein Eindämmen der Unglücksschäden setzte erst zehn Stunden später ein. Die örtliche Verwaltung wartete auf ein Signal aus Moskau.Die Folgen waren katastrophal. Eine Fläche so groß wie Mecklenburg-Vorpommern wurde verseucht. Schon mehrere Monate nach dem Unglück wurde die Ärztin Nina Afonina in das Gebiet beordert. «Die Menschen in der verseuchten Zone wurden zusehends schwächer und starben, vor allem Kinder gingen ein», erinnerte sich Afonina in einem Interview mit der Wochenzeitschrift «AiF». Viele der kleinen Opfer konnten bereits nicht mehr aufstehen, sie hatten ihre Haare verloren und siechten dahin.
«Ich weiß jetzt, wie der Weltuntergang aussieht», erzählt die Ärztin weiter. «Es sind Dutzende blutende und sterbende Kinder, denen du kein bisschen helfen kannst.» Doch auch an ihr sind die Monate im Ural nicht spurlos vorübergegangen. Die krebskranke Frau ist inzwischen an den Rollstuhl gefesselt.