netzeitung.deDer betörende Duft der Biene

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Duftexperte: Filmausschnitt 'Das Parfum' (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Duftexperte: Filmausschnitt 'Das Parfum'
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Männliche Prachtbienen umwerben ihre potenzielle Partnerinnen mit einem speziellen Duftbouquet. Das Liebesparfüm wird dann im «Schlafzimmer» der Bienen versprüht.

Spätestens seit Tom Tykwers Verfilmung des Süßkind-Bestsellers «Das Parfum» sind wir in die Geheimnisse der Enfleurage eingeweiht. Wie Düsseldorfer Wissenschaftler nun herausgefunden haben, nutzen mittelamerikanische Prachtbienen die gleiche Technik, um mögliche Partnerinnen zu betören. Wie ein Parfümeur nehmen sie den Duft von Blüten mit Hilfe von Fetten auf, die sie in Drüsen am Kopf herstellen.

Die Bienen sammeln die mit Duftstoffen versehenen Fette zunächst in Taschen an ihren Hinterbeinen, lassen sie dann wieder Richtung Kopf wandern und verwenden die Fette erneut. So entsteht im Laufe der Zeit ein immer stärker konzentriertes Parfüm, berichtet ein Forscherteam der Universität Düsseldorf in der Zeitschrift Proceedings of the Royal Society B (DOI: 10.1098/rspb.2007.0727).

Duftkonzentrat
Die Wissenschaftler fingen auf der Halbinsel Yukatan in Mittelamerika 68 Prachtbienen und untersuchten, was diese mit dem Fett aus ihren Kopfdrüsen anstellten. Dazu spritzten die Wissenschaftler chemisch gekennzeichnete Fette auf die Bienenbeine und schauten, wohin diese wanderten.

Nach einigen Tagen konnten die Forscher keines ihrer Fette mehr an den Beinen der Insekten entdecken, dafür saßen die Fette nun am Bienenkopf. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass die Prachtbiene ihr Fett mehrmals verwendet, um die Blütenduftstoffe immer stärker zu konzentrieren.

Duft im Unterholz
Chemische Analysen zeigen den Forschern, dass das Duftbouquet eines Männchens aus bis zu 50 Komponenten besteht. Die männlichen Prachtbienen wollen mit ihrem Parfüm vermutlich Prachtbienenweibchen beeindrucken und zur Paarung veranlassen. Sie versprühen ihre Duftmarken vor allem im Unterholz, in dem auch die Paarung der Tiere stattfindet, schreiben die Wissenschaftler.

Wahrscheinlich erwarben die Bienen ihre Fähigkeit zur Parfümherstellung eher zufällig. Ein Vorfahre der heutigen männlichen Prachtbienen markierte bestimmte Teile einer Blüte mit Fetten aus seinen Kopfdrüsen und nahm dabei zufällig Duftstoffe der Pflanzen auf, vermuten die Forscher. Bienen, bei denen Duftstoffe an den Hinterbeinen klebten, hatten dann wohl mehr Erfolg im Kampf um die Gunst der Bienenweibchen, sagen die Forscher. Das könnte die Weiterentwicklung der Parfümherstellung vorangetrieben haben. (nz/ddp)