Kleinkinder lernen schneller als Schimpansen
07. Sep 2007 10:27
 |  Geschickt beim Hütchenspiel aber schlecht beim imitieren: Schimpansen | Foto: dpa |
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Der Mensch ist durch seine Kulturintelligenz bereits als kleines Kind den Affen überlegen. Die Primaten sind allerdings die besseren Hütchenspieler.
Schon Kleinkinder sind den Menschenaffen sozial überlegen. «Was sie von den Affen unterscheidet ist, dass sie imitieren und dadurch viel schneller lernen können», sagte Esther Herrmann vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Im US-Fachblatt Science (Bd. 317, S. 1360; DOI: 10.1126/science.1146282) berichten die Leipziger Forscher über das Ergebnis einer Studie mit 105 zweieinhalb Jahre alten Kindern, 106 Schimpansen und 32 Orang-Utans. Menschen haben ein etwa drei Mal größeres Gehirn als Menschenaffen.In einem Test etwa demonstrierte ein Forscher, wie man ein Rohr öffnet, um darin steckende Nahrung oder Spielzeug herauszuholen. Die Kinder beobachteten dies und ahmten es nach. Die Schimpansen und Orang-Utans imitierten den Wissenschaftler nicht, sondern versuchten, das Rohr zu zerstören oder den Inhalt mit den Zähnen herauszuholen.
Affen mit Werkzeugen geschickter
In anderen Versuchen wiesen die Forscher nach, dass die Kinder im Gegensatz zu den Menschenaffen auch nonverbale Kommunikation - etwa per Gesten - deuten können. Die Wissenschaftler versteckten etwas unter einem von zwei Bechern und zeigten auf diesen mit der Hand. Nur die Kinder erkannten dieses Zeichen und fanden das versteckte Spielzeug.Genauso gut oder sogar überlegen waren hingegen die Schimpansen und Orang-Utans, wenn es um physische Fähigkeiten ging - etwa den Gebrauch von Werkzeugen. Den Affen gelang es zum Beispiel besser, mit einem Stock an weit weg liegendes Futter zu gelangen. Die Kinder hingegen hatten Probleme, mit dem Hilfsmittel Spielzeug zu beschaffen, dass außerhalb ihrer Reichweite lag.
Lernen durch Imitation
Auch bei einem weiteren Versuch unterlagen die Menschenkinder: Die Wissenschaftler versteckten Leckereien unter einem von drei Bechern und bewegten diese wie bei einem Hütchenspiel hin und her. Bei dem Spiel fanden die Schimpansen das Futter oft eher. «Das hatten wir so nicht erwartet», sagte Herrmann. «Sie haben verstecktes Futter schneller gefunden, kleine Summen besser addiert und Werkzeuge öfters benutzt. Affen besitzen eine Knobelnatur.» Allerdings können die Menschen diese Rückstände durch Lernen aufholen. «Weil wir von anderen lernen, Verhalten abschauen und es imitieren, können wir so schnell so viel klüger sein als Affen», sagte Projektleiter Michael Tomasello. Ein Mensch auf einer einsamen Insel ohne Mitmenschen und Kultur würde dagegen immer auf Affen- Niveau bleiben, da er von keinem lernen könne, vermutet er.
Evolution höherer Denkleistungen
Für die Forscher ist das ein eindeutiger Beweis dafür, dass nur der Mensch höhere soziale Fähigkeiten besitzt. Diese so genannte Kulturintelligenz ermögliche es den Menschen erst, in einer Gesellschaft zusammenzuleben, in der sie mit anderen kooperieren müssen, erklären die Wissenschaftler.Einen erstaunlichen Beleg für diese Theorie zeigt das Verhalten von Hunden, die schon lange mit dem Menschen zusammenleben. In physisch-kognitiven Dingen sind sie Affen weit unterlegen. Wenn es jedoch darum geht, das Verhalten von Menschen zu deuten, schlagen sie Schimpansen und Orang-Utans deutlich. Um die Entwicklung sozial-kognitiver Fähigkeiten besser zu verstehen, wollen die Forscher auch die Denkfähigkeit anderer Affenarten überprüfen. So hoffen sie, die Evolution höherer Denkleistungen nachempfinden zu können. (nz/dpa/ddp)